Jetzt, kurz vor der Sommerpause, nehme ich mir einen Moment Zeit, die Ereignisse des vergangenen Jahres zu reflektieren. Nach vielen Begegnungen und Gesprächen in den letzten Monaten, in denen wir unsere Bemühungen für die dringend benötigte Lösung für Palästina und Israel intensiviert haben, erlaube ich mir einige Bemerkungen und Gedanken. Genau vor einem Jahr bombardierte Israel in einem mehrwöchigen Krieg den Gaza-Streifen, der das Leben von 2.100 Palästinensern und 73 Israelis (67 Soldaten und sechs Zivilisten) gefordert hat. Mehr als 11.000 Palästinenser blieben verletzt zurück oder wurden vertrieben, die Blockade des schmalen Küstenstreifens besteht unverändert fort.
Die „New York Times“ vergleicht (siehe unten) die europäischen Verhandler mit mittelalterlichen Ärzten, „Libération“ verlangt einen Schuldenschnitt und die „Presse“ will jetzt aber wirklich mal Reformen sehen. Alsdann, stellen wir uns – und anderen Stimmen der Weltpresse – die Frage: Grexit oder Nicht-Grexit – Sein oder nicht Sein? Das ist die bange Frage, die sich alle stellen. Merkel und Hollande müssen darauf eine Antwort finden, nachdem – und nicht nur sie – beide auf widerwärtige Weise auf dem Rücken der Rentner und schlechterverdienenden Griechen lange – und damit sei es nun genug – gepokert haben. Heute treffen sich also mal wieder die vor selbstherrlichkeit triefenden Staats- und Regierungschefs der 19 Euroländer in Brüssel zu einem Krisengipfel, der über die Zukunft der Währungsunion entscheiden könnte. Und es wird wie in den Monaten zuvor unter anderem nicht die Rede davon sein, wie das „Deutsche Wirtschaftswunder“ wohl ausgesehen haben würde, hätte es nach dem von Deutschland Deutschland über alles angezettelten Weltkrieg nicht nur die „Trümmerfrauen“ sondern auch der Schuldenerlass für „Das Deutsche Volk“ gegeben hätte. In Zorn geschrieben, genug damit, lassen wir also in der Rundschau gelassenere Zeitgenossen zu Wort kommen, mit den Stimmen der nicht nur Europäischen Presse zum Referendum der Griechen:
Vorbereitet wird dies uropäische Dramolett-Theater von einem Meeting der Eurogruppe, bei dem es hoch hergehen dürfte. Denn mit der Geschlossenheit, die Gruppenchef Dijsselbloem bisher demonstrativ betonte, ist es nicht mehr weit her. Polen, die baltischen Länder und Slowenien haben nach dem Referendum in Griechenland auf stur geschaltet und eine harte Linie gefordert – notfalls bis zum Grexit. Frankreich und Italien hingegen wollen Griechenland um (fast) jeden Preis im Euro halten.
Doch den griechischen Banken geht das Geld aus, ohne neue Finanzspritzen droht der wirtschaftliche Kollaps. Wenn sich die EZB, die Eurogruppe und die Staats- und Regierungschefs nicht schnell auf neue Hilfen einigen, könnte Athen gezwungen sein, eine Parallelwährung einzuführen, um wenigstens noch Rentner und Staatsbedienstete bezahlen zu können.
Die griechischen Wähler haben sich im Referendum am Sonntag klar gegen die Sparauflagen der Gläubiger ausgesprochen. Einige Kommentatoren glauben, dass der Grexit nun fällig und nicht die schlechteste Lösung ist. Andere setzen nach wie vor auf eine Einigung und plädieren für einen Marshall-Plan und eine Schuldenkonferenz als alternative Lösungen im Schuldenstreit.
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Eurogruppe lässt Athen abblitzen
Costas Douzinas, Direktor des Birbeck Institute for the Humanities, London, und Autor des bei Laika erschienenen Buches »Philosophie und Widerstand in der Krise. Griechenland und die Zukunft Europas« – Leseprobe – (Orig: »Philosophy and Resistance in the Crisis«), hat eine Erklärung zur aktuellen Situation Griechenlands bzw. zum Konflikt mit der EU vorgelegt, eine kluge Stimme und Analyse, für die wir um Ihre Aufmerksamkeit bitten.

Am 12. Februar 2012 nahm Mikis Theodorakis, im Rollstuhl sitzend (Mitte), in Athen an einer Demonstration teil. Durch einen Tränengaseinsatz wurde er schwer verletzt.
Der griechische Komponist, Schriftsteller und Politiker Mikis Theodorakis spricht in diesem offenen Brief an die internationale öffentliche Meinung von einer Verschwörung griechischer und ausländischer Akteure gegen das griechische Volk und der drohenden Gefahr, dass Griechenland durch Arbeitslosigkeit, Hunger und Verelendung in den kommenden Jahren endgültig ausgelöscht wird.
Das nachstehend ungekürzt in deutscher Übersetzung wiedergegebene Schreiben wurde am Dienstag (14. Februar 2012 – der Brief ist in Gänze im Juni 2015 aktualisiert) publiziert, jedoch von Mikis Theodorakis bereits zwei Tage zuvor aufgesetzt, bevor er (Bild links) zusammen mit dem als Widerstandkämpfer gegen die deutsche Besatzung bekannt gewordenen heute 89-jährigen Politiker und Schriftsteller Manolis Glezos anlässlich des im Eilverfahren debattierten Gesetzentwurfs zur Ratifizierung des neuen Kreditabkommens und der damit einhergehenden drakonischen Sparmaßnahmen das Parlamentsgebäude aufsuchen wollte, wobei jedoch beide dem ungezügelten Einsatz von Chemikalien durch die Polizei zum Opfer fielen. NZZ : Geheime Planungen für den Grexit!
Spätestens seit Edwards Snowdens Enthüllungen über die Machenschaften der NSA ist die Macht der Geheimdienste und die Ohnmacht der Bürger allgegenwärtig. Doch wer nimmt den Kampf gegen die globale Überwachung und die Aushöhlung der Demokratie auf?
Für Supernerds hat die Theaterregisseurin Angela Richter ausführliche Gespräche mit den Whistleblowern und Netzaktivisten Julian Assange, Edward Snowden, Daniel Ellsberg, Jesselyn Radack, William Binney und Thomas Drake geführt. Es sind Auseinandersetzungen nicht nur mit der Gefährdung der Demokratie durch die Geheimdienste, dem wachsenden Überwachungsapparat und den zunehmenden Verletzungen der Pressefreiheit, sondern auch sehr persönliche Gespräche über das eigene Schicksal, den Kampf gegen eine übermächtige Staatsmacht.Dieses Buch entstand im Rahmen der Produktion „ç“ – ein gemeinsamer Überwachungsabend“ von Schauspiel Köln, gebrueder beetz filmproduktion und WDR.
Das Theaterstück Supernerds – Ein Überwachungsabend hatte am 28. Mai 2015 am Schauspiel Köln Premiere und wurde im WDR FERNSEHEN im Rahmen einer Sondersendung live übertragen.
Deutschlandradio Kultur: Ein monströser Überwachungsstaat
Arno Klönne war ein kritischer Intellektueller, der aus der Jugendbewegung kam und sich viele Jahrzehnte lang bis zuletzt politisch engagierte. Seine Arbeit als Sozial- und Politikwissenschaftler war nie losgelöst von den je aktuellen gesellschaftlichen Konflikten, ein wesentlicher Teil seiner Arbeit richtete sich gegen die restaurativen Tendenzen der alten Bundesrepublik und aktuell den Rechtsradikalismus. Als Abendroth-Schüler und politischer Publizist war er bemüht, die scheinbar alternativlose Perspektive des gesellschaftlichen Mainstreams als Propaganda der Herrschenden zu entlarven. Als Wissenschaftler beschäftigte er sich lebenslang mit der Jugendbewegung, zuletzt mit dem Bändchen „Es begann 1913. Jugendbewegung in der deutschen Geschichte.“
