Tocotronic http://www.tocotronic.de/ veröffentlicht wieder einmal mehr als nur ein weiteres Album. „Kapitulation“ erscheint als Manifest. Die achte Platte endet mit der unablässig wiederholten Litanei „Kein Wille triumphiert!“ Wer so aus der CD entlassen wird, verweigert sich der (sogenannten) neoliberalen Leistungsethik nicht nur, weil er keinen Bock mehr hat. Sondern weil ihn als Deutschen das historische Gewissen plagt. (mehr …)

Okt. 2007 | Allgemein, Feuilleton, Junge Rundschau | Kommentieren

Nehmen wir dem Leben und dem Tod das „metaphysische“, denken wir nicht an Hölle, nicht an Teufel, die Erbsünde oder das Paradies. Nehmen wir Tod wie Leben als diesseitiges, als irdisches Geschehen. Nehmen wir beides als Geschenk! Verzichten wir, was den Tod angeht, getrost auf alle antiken oder vulgärbiologischen Tröstungen einer „Rückkehr in die Natur“. Das menschliche Leben – dieses menschliche Leben – hört auf.

Unser memento mori gilt dem diesseitigen Leben, nicht aber dem Seelenheil. Gibt es nämlich keine Zukunft jenseits des Sterbens, gibt es auch keine Gründe, die Gegenwart wegzuwerfen; und weil der Tod das gewusste Ende ist, hat auch die Sparsamkeit – an Lust, an Liebe, an Genuss – nur begrenzt Sinn.
Sinnstiftend gründeten wir also – nicht zuletzt natürlich nicht nur aber auch der zu erwartenden jedenfalls erhofften Steueranteile wegen (die wir natürlich einzuklagen bereits sind, andere bekommen das schließlich auch) die:

Religionsgemeinschaft Veritanische Akademie Heidelbergensis

Da wird uns alleweil und allüberall das „Hohe Lied der Arbeit“ gesungen, einer Arbeit, die angeblich unverzichtbar zur Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit gehört. Der veritanisch disponierte Mensch, also einer im Vorstadium seines wissenschaftlichen Studiums an der „Veritanischen Akademie zu Heidelberg“ (Kontakt: gottschling@rundschau-hd.de) begegnet solchen Ideologien mit grundsätzlichem Unbehagen und tiefem Misstrauen. Durch unsere Institution wird der Adept theologisch davon unterrichtet, daß nach Genesis 2,8 Gott einen Garten Eden pflanzte und Adam, den Menschen, mitten hineinsetzte, in ein Paradies also, in dem dieser Mensch ein müheloses und sorgenfreies Leben hätte führen können. Es sollte sich dann aber das Mysterium des Sündenfalls (Gen 3,17) begeben und Gott sprach: „In Kummer sollst du essen alle Tage deines Lebens und du sollst vom Kraut des Feldes leben … Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brot essen“. Das wurde zweifellos von Vegetariern, Müslifreaks und Vollkornaposteln zu wörtlich genommen. Wie auch immer schwitzen die Menschen nun nicht nur bei der Arbeit, die ja im Paradies eigentlich gar nicht vorgesehen war, sondern auch beim Essen von Sauerkraut und Sauerbraten, bei Schlachtplatten, Hummerschwänzen und allerlei Patisserie.

Jedoch ist der Mensch ursprünglich zweifellos zur Muße geschaffen! Unsere Religionsgemeinschaft jedenfalls hat das zu ihrem Credo gemacht …

Bereits die klugen Griechen wußten das. Sie pflegten die Muße in der Weise, als sie sich auf philosophische Gespräche einließen, und erörterten auf diese angenehme Art mathematische, geometrische, politische und astronomische Probleme. Das alles nannten sie „skolé“ und spazierten dabei im Schatten von Pinien und Zypressen. „Skolé“ bedeutet aber nicht Schule, sondern Muße. Für Schule gab es ein anderes Wort, nämlich „didaskaleion“, was soviel wie Lehranstalt heißt. Erst die Römer machten aus „skolé“ ihre „schola“ – wer über all dies auch nur ein ganz bisschen mehr als gar nicht nachdenkt, wird leicht erkennen, daß unsere Schule im eigentlich griechischen Sinn ein komplettes Mißverständnis ist.
An der veritanischen Akademie zu Heidelberg hingegen wird gelehrt, es gehöre zur Mittelmäßigkeit, sein Selbstwertgefühl vorwiegend aus der Arbeit zu stabilisieren und die Freizeit totzuschlagen, statt sie in Muße zu genießen. Der Veritologe wird nach der Erkenntnis leben, daß der Fleiß Mittelmäßiger mehr Schaden anrichtet als die Faulheit der Begabten. Deshalb wird er auch nicht müde (man verlasse sich darauf), das Mittelmaß und die mit ihm verbundene Selbstgerechtigkeit bloßzustellen.

Nun ist es aber eine Form – auch – der Arroganz, Mittelmaß und Mittelmäßigkeit entlarven zu wollen, wenn die Einsicht fehlt, daß man selbst dazu gehört. Die Herausforderung an den Veritologen besteht nun darin, diesen Zustand zu reflektieren und damit zu transzendieren. Er weiß, daß ein Mensch, der keine Dummheit macht, auch nichts Gescheites zuwege bringt. Doch er wird sich auch nicht mit der Feststellung begnügen, daß gesellschaftlich kaum etwas so erfolgreich sei wie die Dummheit, wobei das Recht auf Dummheit schließlich sogar von der Verfassung geschützt ist; es gehört zur Garantie für freie Entfaltung der Persönlichkeit. Es darf nun aber andererseits der Klügere unter den Mittelmäßigen, also der Veritologe, nicht, wie das geflügelte Sprichwort nahelegt, Volkesmundes wegen nachgeben. Würde doch so die Weltherrschaft der Dummen gefestigt.

Wir, wer wüßte das besser als Jürgen Gottschling, schaffen uns keine Freunde unter jenen,

florett.jpgdie wir (auch künftig!) mit veritologischem Florett attackieren.Dabei halten wir es mit Jean Paul Sartre, der wusste, dass, „wer die Dummköpfe gegen sich hat, Vertrauen verdient“. Lasset uns denn also – auf dass das auch das Finanzamt mitbekommt – beten. Und (im Vertrauen auf uns) dereinst fröhlich sterben! Katharsis – die emotionale und psychische Reinigung – ist angesagt. Anderswo wie auch und gerade jetzt und hier! Staat, tu was für uns. Und, ZDF gib uns Raum für unser Wort des „Frei-Tags“- drei mal drei ist neune, ihr wißt schon, wie ichs meine …

Sep. 2007 | Heidelberg, Allgemein, Feuilleton, In vino veritas, Junge Rundschau, Kirche & Bodenpersonal, Sapere aude, Zeitgeschehen | Kommentieren

Die reichen Münchner Kinder schlagen zurück: Die Band „Stehkrägen“ rappt vom Reichsein, das Label heißt Aggro Grünwald. Alles nur Parodie? Nicht ganz, haben wir hart in der Starnberger Society recherchierend herausgefunden. Hier agiert nicht nur die jüngste Generation der Wittelsbacher, sondern auch die der Habsburger. Ludwig Heinrich Prinz von Bayern, 25, ist der Sohn von ‚Bierbrauer‘ Prinz Luitpold und Nachfahre der bayerischen Könige. Severin Meister dagegen ist ein Enkel Otto von Habsburgs und damit Sprößling der österreichischen Kaiserfamilie. Zusammen mit Mauritz von Einem (Junge-Union-Aktivist, niedersächsischer Landadel) und ein paar bürgerlichen Kumpanen haben sich hier also zwei legendäre Dynastien zusammengetan, um dem Rest der Welt mal eine deutliche Botschaft zu übermitteln: „Eure Armut kotzt uns an.“ Tja, dann …

Juli 2007 | Allgemein, Junge Rundschau, Zeitgeschehen | 1 Kommentar

Der Fall Digg ist ein gutes Beispiel für Basisdemokratie im Netz – und für ihre Grenzen,
Digg ist eine Nachrichtenseite des so genannten Web 2.0, ein Anbieter von Social Bookmarks. Digg lebt also mehr oder weniger davon, was seine Besucher dort veranstalten und wie sie sich untereinander fördern oder ausbremsen. Nun haben sie etwas veranstaltet, was den Betreibern ganz und gar nicht recht sein konnte. (mehr …)

Mai 2007 | Allgemein, InfoTicker aktuell, Junge Rundschau | Kommentieren

School’s Out Party Sa 12.05. 20h – Die kleine Halle (mehr …)

Mai 2007 | Heidelberg, Allgemein, Junge Rundschau | Kommentieren

grandmaster-flash-1.jpg Trau keinem unter 30: Gerade wurde Grandmaster Flash, ein Urvater des HipHop, in die Ruhmeshalle des Rock aufgenommen. Es war ein langer Weg durch die Institutionen. Seine Musik vereint mittlerweile schwarze Wohnprojekte, weiße Trailer-Parks und die Mittelschicht. Grandmaster Flash gilt als Erfinder des Cross-Fadens. Dabei wird von einem Plattenspieler zu einem zweiten übergeblendet. Heutige DJs zehren noch immer von der Einführung dieser Technik. (mehr …)

Apr. 2007 | Allgemein, Feuilleton, Junge Rundschau, Zeitgeschehen | Kommentieren

Nehmen wir den Fall Digg. Er ist ein gutes Beispiel für Basisdemokratie im Netz. Und was daraus werden kann, wenn Grenzen überschritten werden.
Digg ist eine Nachrichtenseite des so genannten Web 2.0, ein Anbieter von Social Bookmarks. Digg lebt also mehr oder weniger davon, was seine Besucher dort veranstalten und wie sie sich untereinander fördern oder ausbremsen. Nun haben sie etwas veranstaltet, was den Betreibern ganz und gar nicht recht sein konnte. (mehr …)

Apr. 2007 | Allgemein, Junge Rundschau, Sapere aude | 1 Kommentar

Der Verein CityCult@69117 bietet in den Pfingstferien verschiedene Veranstaltungen, Ausflüge und Projekte für Kinder und Jugendliche an. (mehr …)

Apr. 2007 | Heidelberg, Allgemein, Junge Rundschau | Kommentieren

Es geht zwar um Musik bei dieser guten Nachricht. Aber als die Plattenfirma EMI und ihr Handelspartner Apple den Kopierschutz beim Musikvertrieb im Internet für überholt erklärten, ging es zunächst um die Macht der Bilder. (mehr …)

Apr. 2007 | Allgemein, InfoTicker aktuell, Junge Rundschau, Zeitgeschehen | Kommentieren

Während OB Würzner während des Wahlkampfes zwar im Blick auf Wünsche und Begehrlichkeiten von Jugendlichen eher sachlich auf Machbares focussierte und nicht vom Himmel hoch alles versprach, wovon er wußte, daß das dann (nach der Wahl) ohnehin gar nicht würde realisiert werden können, gibt er jetzt Vollgas. Was der Jugendrat plant, ist auch für ihn Thema. Jugendräume nämlich und aber vor allem – und wie schwer das zu realisieren sein würde, vor allem fehlende Möglichkeiten für Bands in den Stadtteilen – das weiß er wohl. Dennoch – ein Statement des Oberbürgermeisters zu alledem:

[audio:wuerzner_07_04_02.mp3]
Apr. 2007 | Heidelberg, Allgemein, Junge Rundschau | 1 Kommentar

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