Schönheitschirurgie, pränatale Diagnostik, Doping, Ritalin – die bio- und gentechnologischen Möglichkeiten zur Steigerung unserer körperlichen und geistigen Fähigkeiten setzen schon vor der Geburt ein und betreffen jeden Lebensbereich. Das neue genetische Wissen ermöglicht es uns, unsere eigene Natur zu manipulieren. Der berühmte Philosoph Michael Sandel betrachtet diese Entwicklung, die zu einem offenen oder verdeckten Zwang zur Optimierung des Menschen führe und warnt vor den gesellschaftlichen Folgen: „Unsere Natur zu verändern, damit sie in die Welt passt, und nicht umgekehrt, ist die tiefste Form der Entmachtung des Menschen. Es lenkt uns davon ab, kritisch über die Welt nachzudenken, und betäubt den Drang nach sozialer und politischer Reform.“Intuitionen und Gefühle sind keine Argumente. Aber sie sind nicht per se vernunftwidrig; im Gegenteil können Gefühle der Vernunft den Weg bahnen, wenn das, was sie «sagen», auch tatsächlich gesagt, wenn es artikuliert wird. Das ist ein alltäglicher Vorgang, auch in der Philosophie. In einem eindringlichen Essay hat Michael Sandel seinem Unbehagen Ausdruck verliehen und die Argumente skizziert, die sich daraus gewinnen lassen. Das Gefühl, das er in Worte kleidet, ist das einer Beunruhigung über die bio- und gentechnologische «Optimierung» der menschlichen Natur, die möglich geworden zu sein scheint.
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