Das Wichtigste: Salman Rushdie hat den Mordauftrag überlebt, den Ayatollah Khomeini 1989 gab. Der unpassenderweise „Rushdie-Affäre“ genannte Vorgang bezeichnet den Skandal des (bis heute nicht revidierten) Todesurteils, das der iranische Revolutionsführer per Fatwa über den britischen Schriftsteller verhängte, wegen dessen angeblich koran- und islamfeindlichem Roman „Satanische Verse“, der im Herbst zuvor erschienen war. (mehr …)
20 Jahre Fatwa gegen den indisch-britischen Schriftsteller Salman Rushdie: Der Islamismus hat den Westen fester im Griff denn je – den linken Intellektuellen sei Dank.
Der Koran sagt die Wahrheit – sagt der Koran. Der Koran ist eine Erzählung – sagen die „Satanischen Verse“.
Sie verraten die Wahrheit. Sie versetzen den Mythos in das Setting eines Schelmenromans, in dem die Offenbarung sich immer wieder arrangiert mit den Widrigkeiten der Tagespolitik. Sie schreiben sich hinein in die historische Bedingtheit, erzählen, wie der Mythos fabriziert wurde. Der Roman wurde geschrieben auf dem Höhepunkt postmoderner Korrosion des Wahrheitsbegriffs. Man merkt es ihm an, mit seinem Wust aus Wundern, Versionen und Visionen. (mehr …)
in vino veritas
Derweil er dem Bildungsbürger – ungemach schnell – zum Outsider geworden war, schien er den Kleinbürgern alsbald ein Bourgeois zu sein – wobei er sich keines der ihm offenen Wege bediente: Er hätte schnell zugrunde gehen können, hätte ihn die materialistisch-bürgerliche Gesellschaft als unbrauchbares Glied einfach absterben lassen. (mehr …)
Auf kommunaler Ebene gibt es mit Bürgerbegehren und Bürgerentscheid seit mehreren Jahren direktdemokratische Instrumente, die erste Betrachtungen zu den Auswirkungen der direkten Demokratie auf das kommunale Parteiensystem erlauben. (mehr …)
Plädoyer für die Revision koranischer Aussagen aufgrund einer historischen Lesart. (mehr …)
Die Entscheidung von Yale University Press, ein Buch über den dänischen Karikaturenstreit ohne die betreffenden Zeichnungen zu veröffentlichen, ist ein weiteres und vielleicht das traurigste Beispiel für die Kapitulation vor religiösem Fanatismus – insbesondere dem muslimischen religiösen Fanatismus – der sich in unserem Kulturkreis breit macht. Sehen wir es mal realistisch: „Breit gemacht hat“, muss es dann heißen! (mehr …)
? Herr Dr. Niopek, bis vor noch nicht allzulanger Zeit waren in Heidelberg lediglich Stimmen der Gegner eines Stadthallenanbaus zu hören. Das hat sich – im Stadtbild ist es bereits vielfältig merkbar – geändert. Was genau ist da „passiert“?
! Wir haben im Dezember 2009 den „Unternehmerrat Heidelberg“ initiiert, dies bereits mit dem ersten konkreten Ziel,
Zwar verlautbart Bundeskanzlerin Merkel: „Rettungspaket schützt Geld der Menschen“ – aber: Der beispiellose EU-Rettungsschirm für den angeschlagenen Euro stößt nicht überall auf Zustimmung. (mehr …)
Heute abend wissen wir mehr … (mehr …)
Mit Polemik, Kritik und reflexiven Texten mischt sich in Berlin die «Islamische Zeitung» in die öffentliche Diskussion ein. Das Blatt signalisiert zwar Dialogbereitschaft,
jedoch ist diese „Offenheit“ deutlich nur Fassade für ein ideologisch einzigartiges Konglomerat, das die Zeitung auch für Extremisten attraktiv machen soll.
Harald Schmidt hat Fans, wo er sie kaum vermuten dürfte: «Grossen Respekt hegen einige aus unserer Redaktion für den schwäbischen Meister des deutschen Bildungsfernsehens», heisst es auf der Titelseite der «Islamischen Zeitung». Und weiter wünschte sich Chefredaktor Sulaiman Wilms in der kürzlich erschienenen hundertsten Ausgabe des Blatts, dass es «eine ähnlich präsente und brillante Gestalt in den Medien von Seiten der deutschen Muslime geben» würde.
Publizistischer Vorposten des Euro-Islam?
Hat der oft geforderte «Euro-Islam» hier, von der grossen Öffentlichkeit unbemerkt, schon seinen publizistischen Vorposten bezogen? Auf den ersten Blick scheint die «Islamische Zeitung» aus Berlin in der Tat das ideale Integrationsmedium zu sein. Die zurzeit alle drei Wochen in einer Auflage von 10 000 Exemplaren herausgegebene Zeitung im kleinen Berliner Format kommt in einem zeitgemässen Layout mit dezentem Farbeinsatz daher und bietet auf 24 Seiten Nachrichten, Essays und Reportagen übers Leben der Muslime in Deutschland. In umfangreichen Interviews erörtern Amateurredaktoren mit prominenten nichtmuslimischen Gesprächspartnern aus Politik und Gesellschaft Probleme des Zusammenlebens.
Mit Polemik, Kritik und reflexiven Texten mischt sich das Blatt in die öffentliche Diskussion ein. Unter dem Titel «Muslime und Globalisierung» beleuchtet die Zeitung die Vorzüge und Nachteile der Auflösung ökonomischer und kultureller Grenzen. Grundfragen der islamischen Glaubenslehre werden geklärt. Muslimischer Alltag in Deutschland ist ebenso Thema wie die Aktivität islamischer Organisationen und Moscheen. Es gibt einen eigenen Bund «Muslime und Lebensart», in dem Geburt und Tod, Erziehungsfragen, die Bedeutung islamischer Wohltätigkeit oder Reisen zu den heiligen Stätten des Islam behandelt werden. Fast anzeigenfrei bietet die «Islamische Zeitung» das Angebot, das man bei Sonntags- und Wochenzeitungen findet.
Die Lektüre hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits distanziert sich die Zeitung deutlich vom Terror im Namen Allahs und leistet sich auf diesem Feld keine Tändelei. Man setzt auf «Mässigungs- und Verständigungsarbeit», wenn es zum Beispiel darum geht, Eltern Rat für den Umgang mit politisch radikalisierten Kindern zu geben. Auch zur deutschen Leitkulturdebatte steht Vernünftiges im Blatt: «Die Forderung der Gesellschaft nach dem Erlernen der deutschen Sprache ist absolut nachvollziehbar», schreibt Herausgeber Abu Bakr Rieger in der Jubiläumsausgabe. Der 1990 zum Islam konvertierte Rieger – ein Rechtsanwalt, der das Blatt 1995 in Weimar gründete – gibt sich geradezu als Enthusiast deutscher Kultur, der für Leser wiederholt Spaziergänge zu den Gedenkstätten für Goethe und Schiller in Weimar veranstaltete. Auf seiner Website empfiehlt er die deutsche Klassik für ein besonderes Bildungsprogramm: «Gerade muslimische Jugendliche können mit besonderem Gewinn Schillers Rückblick auf den Dreissigjährigen Krieg oder Goethes ‹Westöstlichen Divan› lesen und diskutieren“ – siehe nächster Artikel.
«Mittendrin statt nur nebenbei»
Auch abseits solcher Schwärmerei tritt die Zeitung offensiv für Integration ein. Das schliesst die Forderung nach politischer und gesellschaftlicher Anerkennung ebenso ein wie die Aufforderung an die Muslime, sich stärker im Lande zu engagieren. «Mittendrin statt nur dabei» ist das erklärte Motto der Zeitung. Dass sie dabei gegen ein angebliches Feindbild Islam in der deutschen Öffentlichkeit kämpft, den Kirchen Dialogverweigerung vorwirft und aussenpolitisch zum Beispiel die Wahlen im Irak zur Farce erklärt, kann man in der Sache für abwegig halten, gehört aber gewiss zu den möglichen Positionen, die im Rahmen einer pluralistischen Presse eine Stimme der muslimischen Minderheit vertreten kann.
Anderseits stehen Beiträge im Blatt, die nichts mit einem modernen Islam zu tun haben, der in Westeuropa angekommen ist. Völlig kritiklos wird seitenlang eine fundamentalistische Koranexegese propagiert, die jeden Gedanken der historischen Textkritik zurückweist. Die Scharia gilt ohne Einschränkung als Wegweiser für eine «islamische Lebensweise». Wenn das Blatt den «Ehrenmord» an einer jungen Frau türkischer Herkunft aufgreift, so diffamiert es zuerst die türkische Rechtsanwältin, die gegen solche atavistischen Bräuche kämpft, und zetert über die deutschen Medien, bevor es die Tat bedauert. So richtig es ist, dass nicht «der Islam» für solche Morde verantwortlich gemacht werden kann, so nötig wäre doch eine nähere Analyse der Mischung von Ethnizität, religiöser Prägung und Moralvorstellung, aus der heraus solche Bluttaten geschehen. Anstatt als «Impulsgeber in die islamische Gemeinschaft hinein» zu wirken (Abu Bakr Rieger), versteht sich die «Islamische Zeitung» in solchen spektakulären Fällen vor allem als publizistischer Schutzschild gegen angebliche und tatsächliche Angriffe auf den Islam. Problematisches und inakzeptables Verhalten von Muslimen erklärt die Zeitung dagegen gern zu einer innerislamischen Angelegenheit.
Noch unangenehmer ist die Neigung des Blattes zu einer Mischung aus Theologie, Verschwörungstheorie und politökonomischer Utopie. So druckte sie kürzlich das Traktat «Al-Zilal – das Erdbeben», in der eine «Deutung der Katastrophe aus islamischer Sicht» vorgelegt wurde. Ein «Schaikh Dr. Abdalqadir As-Sufi» schwadronierte in einer Nachbetrachtung zum Tsunami nicht bloss darüber, dass «Das-dem-Erdboden- Gleichmachen ein Zeichen der Manifestation göttlicher Gerechtigkeit» sei. Er verhöhnte auch die «Orgie humanistischen ‹Mitleids›» im Westen und liess die wüste Tirade in eine Anklage der internationalen Finanzmacht und des dekadenten Tourismus münden.
Doppelbödig?
Der Scheich ist ein schottischer Konvertit, der als ideologisch-spiritueller Stichwortgeber der «Islamischen Zeitung» gelten kann. Wie die szenekundigen Journalistinnen Hildegard Becker und Claudia Dantschke im letzten Jahr berichteten, steht der Scheich im Verdacht, die Propaganda für ein modernes Kalifat mit antisemitischen und antikapitalistischen Parolen zu verrühren. Becker und Dantschke glauben, dass die oft beteuerte Dialogbereitschaft und der Wille zur Integration nur die Fassade seien für ein ideologisch «einzigartiges Konglomerat», das die «Islamische Zeitung» gleichermassen attraktiv machen soll für islamische Fundamentalisten, alte und neue Rechte sowie für die Globalisierungskritiker. Wenn das stimmt, ist die «Islamische Zeitung» nur der neuste und exotische Versuch einer gesellschaftspolitischen Sekte in Deutschland, sich eine Massenbasis zu verschaffen.
Ob diese Vorwürfe in vollem Umfang zutreffen, ist derzeit anhand der Zeitung schwer zu entscheiden. Das Blatt hat ein schillerndes Profil. Klar ist nur: Wenn die «Islamische Zeitung» wirklich den eigenen Anspruch einlösen und die Positionen deutscher Muslime am Kiosk debattenfähig machen will, wird es aus der Grauzone heraustreten müssen, in der es sich jetzt zu oft und zu gern aufhält.
Kirchen im Fokus islamischer Aktivisten
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