Plakat mit Stalin, Putin und Hitler (v.l.) auf einer Demonstration in Berlin gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine

Historische Vergleiche pflegen zu hinken, und Mystifizierungen von Politikern helfen meist auch nicht weiter. Aber gerade im Fall Wladimir Putin, der ein obsessives Verhältnis zur Geschichte hat, ergibt eine historische Herangehensweise durchaus Sinn. Vor allem bei der Antwort auf die Frage, ob Putin im Ukrainekrieg einlenken und Friedensverhandlungen führen würde, kann die Geschichte Hinweise geben. Dabei ist Putin natürlich nicht Reinkarnation einer nur historischen Figur. Oder, um es provokativ formuliert zu haben: Er ist ein Stalin, der unter Paranoia litt und sein Volk nach Belieben massakrierte. Und er ähnelt, was seine Verachtung anderer Nationen angeht, durchaus auch einem Hitler.

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März 2022 | Allgemein, Essay, In vino veritas, Politik, Sapere aude, Zeitgeschehen, Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch | Kommentieren

Macht der Disziplin: Wie wir unseren Willen trainieren können

Viele unserer persönlichen und gesellschaftlichen Probleme hängen mit mangelnder Selbstdisziplin zusammen: zwanghafter Konsum, Verschuldung, Gewalt, schlechte schulische Leistungen, mangelnde Produktivität am Arbeitsplatz, Alkohol- und Drogenmissbrauch, ungesunde Ernährung, mangelnde sportliche Betätigung, chronische Angst, Jähzorn, und so weiter und so fort – angefangen von der Entlassung über den Verlust von Freunden bis zur Scheidung oder sogar zu Gefängnisstrafen. Tennisspieler verlieren das Finale, weil sie ihre Gefühle nicht im Griff haben. Politiker zerstören mit einem Seitensprung ihre Laufbahn. Die Finanzwirtschaft wird durch eine Epidemie von riskanten Krediten und Investitionen ruiniert. Viele Menschen leben im Alter in Armut, weil sie nicht genug Geld auf die Seite gelegt haben.

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Einwohner der zerbombten Stadt Mariupol heben neben der Straße ein Grab aus

Risiken so lange durch die rosarote Brille zu betrachten, bis sie zur akuten Gefahr werden, das können wir hierzulande richtig gut. Wie gut, zeigt sich in den drei großen Krisen unserer Zeit: Ukraine, Corona, Klima.
Im Umgang mit dem Ukraine-Krieg hält im Politikbetrieb eine merkwürdige Apathie Einzug. Nachdem Putins Angriff alle Welt aufgeschreckt und Kanzler Scholz eine „Zeitenwende“ ausgerufen hatte, wurden eilig Sanktionspakete geschnürt und die milliardenschwere Wiederbelebung der Bundeswehr angekündigt. Doch vier Wochen nach Beginn der Kämpfe scheint das Engagement vieler Politiker zu erlahmen.

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März 2022 | Allgemein, Essay, In vino veritas, Politik, Sapere aude, Zeitgeschehen | Kommentieren

Paris wird bombardiert, US-Fallschirmjäger landen in der Ukraine – Truppen auf den  Champs-Elysees und Blogger, die es gar nicht gibt, loben Putin: Im Netz tobt eine Propagandaschlacht mit massenhaft falschen Bildern und Filmclips zum Krieg in der Ukraine. Journalisten, Leser und Zuschauer stehen vor großen Herausforderungen: Was ist echt, was Fälschung? Ein ganz normaler Touristentag in der Stadt der Liebe: Eine junge Frau posiert lächelnd vor dem Eiffelturm, der Himmel ist strahlend blau. Doch dann erschüttert eine Explosion Paris, Bomben fallen, Kampfjets donnern über die Häuser. Sirenen heulen, ein Baby weint. Verwackelte Handybilder zeigen Raketeneinschläge rund um die Kirche Sacré-Cœur auf dem Montmartre. „Was passiert hier?“,

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Aufgeben gilt nicht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj stärkt mit jeder Ansprache den Überlebenswillen der Bevölkerung

Wenn Intoleranz als Gegenmittel taugt: Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über den Umgang mit Putins Propaganda, Selenskyjs Sieg in der Kommunikation:
? Herr Pörksen, jeder Krieg wird als Informationskrieg bezeichnet. Führt der russische Überfall zum kommunikativen Business as usual – oder was sonst?

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Seit Wochen waren Anschläge auf Kirchen und Handelsniederlassungen verübt worden. Nachdem man am 20. Juni 1900 den deutschen Gesandten auf offener Straße erschossen und seine Leiche in Stücke gehauen hatte, belagerte die Geheime Faust für Gesetz und Eintracht das Pekinger Botschaftsviertel. Christliche Ausländer wurden massakriert; die Aufständischen, im Westen Boxer genannt, bezichtigten sie, durch dampfbetriebene Maschinen die Harmonie der Naturkräfte gestört, Unwetter und Missernten verschuldet und ansteckende Krankheiten verbreitet zu haben. Nach fünfundfünfzig Tagen schlugen die alliierten Truppen zurück. Der Hof floh nach Sian. Die Soldaten der Alliierten fielen über die Paläste der Verbotenen Stadt her, raubten die kaiserlichen Schätze und schändeten den Drachenthron.

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Von „entlarvend“ bis „menschenverachtend“:  In einer Rede per Video-Schalte bat Wolodymyr Selenskyj in seiner Rede im Bundestag eindringlich um mehr Hilfe für sein Land. Lesen sie hier seine Rede im Wortlaut. Doch nach der Rede folgte keine Debatte über das Gesagte. Stattdessen ging der Bundestag zur Tagesordnung über. Die Empörung über den Umgang mit der Rede Selenskyjs im Bundestag schlägt sich auch in der Presse nieder:

 

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Als Nächstes droht jetzt ein Staatsbankrott, der Investoren Milliarden kosten und das Land vom Finanzmarkt abschneiden wird. Am Tag vor fälligen Kuponzahlungen Russlands in Höhe von 117 Mio. Dollar stehen alle Warnlampen auf Rot. Eine Nichtzahlung würde Schockwellen auf den Märkten auslösen, an denen Investoren in russischen Bonds bereits massive Verluste erlitten haben, seit das Land vor wenigen Wochen in die Ukraine einmarschiert ist. Die Regierung sagt, dass alle Schulden bedient werden – allerdings in (!) Rubel.

 

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März 2022 | Allgemein, Essay, In vino veritas, Politik, Sapere aude, Senioren, Zeitgeschehen | Kommentieren

Apokalypse in Progress – der Weltuntergang allgegenwärtig

Urlaubsbilder und Erinnerungen, Nachbarn und Kollegen, Vater und Mutter, Frau und Kinder samt Hund und einem selbst bald verglühen in einem atomaren Blitzlicht. Mit jeder Sondersendung zur Ukraine, jeder Live-Schalte ins Kriegsgebiet, jeder Ferndiagnose, ob Putin (Best Case) nur ein massenmordender Stratege oder (Worst Case) bereits ein wahnsinniger Diktator im Weltvernichtungsmodus ist, muß befürchtet werden, erst Zeuge und dann Opfer einer Apokalypse in progress zu sein. Wut, Trauer, Furcht wechseln sich ab mit Hilflosigkeit – und die äußert sich oft in rührend-sinnlosen Schutzhandlungen: der Inspektion des Hobbykellers (Hält er einem taktischen Atommarschflugkörper stand?) oder dem Eruieren der besten ICE-Fluchtrouten für den Ernstfall (dabei fährt die Deutsche Bahn ja nicht mal mehr bei Sturm).

 

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Hintergrund sollen die strategischen Fehler beim Überfall auf die Ukraine sein. Und offensichtlich ist es deshalb zum Zerwürfnis gekommen zwischen dem Präsidenten und Ex-FSB-Chef Putin und ebendiesem FSB. Ausgerechnet für den Chef der 5. Abteilung des Geheimdienstes, der für die Aufklärung im Ausland und damit auch für die russischen Geheimdienstaktivitäten in der Ukraine zuständig ist, Sergej Beseda, wurde Hausarrest angeordnet.

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