„Jens Spahns Ministerium kauft Masken bei der Firma seines Ehemanns. Alfred Sauter (CSU), Nikolas Löbel (CDU) und Georg Nüßlein (CSU) verkaufen „privat” überteuerte Masken gegen Provision an den Staat. Julia Klöckner (CDU) nimmt fröhliche Videos zusammen mit dem Nestlé-CEO auf. Es reicht! Ich kündige dem ausufernden Lobbyismus, der immer neue Größenordnungen anzunehmen scheint. Ich fordere das Ende bezahlter Politik!“ Jürgen, unterstützen Sie Rifka mit Ihrer Unterschrift?

 

Lobbyismus jetzt eindämmen! Wir fordern das Ende bezahlter Politik!
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Jens Spahns Ministerium kauft Masken bei der Firma seines Ehemanns, er selbst nimmt einen 4-Millionen-Kredit für seine Privatvilla bei einer Bank auf, bei der er bis vor kurzem im Verwaltungsrat saß, Gerhard Schröder bekommt Millionen für Lobbyarbeit für eine Gaspipeline, und, und, und. Einzelfälle? Nein!

Ich fordere ein Ende der Lobby-Skandale und strenge, verbindliche Regeln für Abgeordnete!

Mein Name ist Rifka Lambrecht, ich bin 20 Jahre alt, seit Jahren politisch engagiert und kämpfe im Jugendrat der Generationen Stiftung für eine generationengerechte Politik. Doch es ist ein Kampf mit ungleichen Mitteln, wenn die Gegenseite mit ihrer finanziellen Übermacht unsere Hilferufe so leicht übertönen kann.

Der Lobbyismus in Deutschland hat System, weil es keine Kontrolle gibt. Transparenz ist unserer Regierung momentan ein absolutes Fremdwort. Und oft geht der Lobbyismus so weit, dass er von Korruption nur noch schwer zu unterscheiden ist. Um nur wenige Beispiele zu nennen:

  • Alfred Sauter (CSU), Nikolas Löbel (CDU) und Georg Nüßlein (CSU) verkaufen “privat” überteuerte Masken gegen Provision an den Staat.
  • Julia Klöckner (CDU) nimmt fröhliche Videos zusammen mit dem Nestlé-CEO auf.
  • Sigmar Gabriel (SPD) war bis vor einiger Zeit noch Vizekanzler – jetzt lobbyiert er fleißig für die Deutsche Bank und Tönnies.
  • Angela Merkel (CDU) kippt eine fertig verhandelte Abgas-Norm der EU-Kommission und erhält am darauffolgenden Tag eine Parteispende von BMW-Großaktionär:innen Klatten und Quandt über 690.000 Euro.
  • Tobias Zech (CDU) berät korrupte, rechtskräftig verurteilte Politiker aus Nordmazedonien.
  • Gero Hocker (FDP) lässt sich von der Agrar- und Tabaklobby für Werbevideos bezahlen.
  • Armin Laschets (CDU) Sohn fädelt einen großen Maskendeal mit dem Land NRW ein. Zufall?
  • Philipp Amthor (CDU) schreibt eifrig Briefe für Augustus Intelligence. Dafür lässt er sich mit Schampus-Partys, Flügen nach New York und Aktienoptionen verwöhnen.
  • Joachim Pfeiffer (CDU), Axel Fischer (CDU), Karin Strenz (CDU), Eduard Lintner (CSU) machen gegen Geld Werbung für das Unrechts-Regime Aserbaidschan.
  • Jens Spahn (CDU) hat fragwürdige Kredite über 4.1 Millionen Euro für seine Privatvilla aufgenommen. Außerdem kaufte sein Ministerium 570.000 Schutzmasken bei Burda, dem Arbeitgeber seinen Ehemannes.

Das ist eine lange und nicht einmal ansatzweise vollständige Liste. Und die Einschläge kommen näher!

Ich finde: Wir haben ein Recht zu erfahren, wer hinter verschlossenen Türen Einfluss auf die Politik nimmt. Wer ein öffentliches Amt bekleiden will, muss auch öffentlich Rechenschaft ablegen. Dafür braucht es strenge, verbindliche Regeln. Selbstverpflichtungen oder Ehrenerklärungen reichen nicht. Und das gerade verabschiedete Lobbyregister ist das Papier nicht wert, auf dem es steht.

Um Lobby-Skandale zukünftig zu verhindern, fordere ich gläserne Politiker:innen, die kein Geld von der Wirtschaft nehmen und uns Bürger:innen gegenüber offen und transparent sind!

Konkret heißt das:

  1. Ein absolutes Verbot von bezahlter Lobbyarbeit.
    Solange Abgeordnete und Vertreter:innen der Ministerien für uns arbeiten, dürfen sie nur uns vertreten. Interessenkonflikte müssen ausgeschlossen werden.
  2. Die Offenlegung und Deckelung aller Nebeneinkünfte und Firmenbeteiligungen von Mandatsträger:innen.
    Das Mandat muss Haupt- und nicht Nebenjob sein, damit unsere Abgeordneten unabhängig bleiben. Daher müssen Nebentätigkeiten auf 30% des Verdienstes und Unternehmensbeteiligungen auf 25% gedeckelt werden!
  3. Eine Obergrenze für Parteispenden.
    Die Parteienfinanzierung ist in Deutschland öffentliche Aufgabe. Sie darf keinen Interessenvertreter:innen verpflichtet sein. Wie in Frankreich auch müssen Parteispenden von Unternehmen verboten werden und dürfen von Privatpersonen nicht die 7500 Euro pro Jahr überschreiten.
  4. Eine verbindliche Karenzzeit von mindestens zwei Jahren für den Wechsel von Politiker:innen in die Wirtschaft.
    In der Wirtschaft ist es bewährte Praxis, dass ein CEO nicht gleich in den Aufsichtsrat einzieht. Das muss umsomehr für die Politik gelten.
  5. Transparenz über alle Lobby-Kontakte der Politik.
    Die Kanzlerin vertritt gemäß ihrem Amtseid ausschließlich die Interessen der Bürger:innen dieses Landes und bekleidet ein öffentliches Amt. Derzeit blockiert sie hartnäckig jegliche Transparenz über die Einflussnahme von Konzernen und Interessensgruppen. Warum? Was wird hier versteckt?

Frau Merkel, ich appelliere an Sie: Legen Sie endlich den Lobby-Sumpf noch in dieser Legislaturperiode trocken, um das Vertrauen in die Politik wiederherzustellen!

Sie waren es, die über die CDU-Parteispendenaffäre an die Macht gekommen ist. Sorgen Sie dafür, dass sich die Ereignisse nicht wiederholen!

Ich kündige dem ausufernden Lobbyismus, der immer neue Größenordnungen anzunehmen scheint. Kündigen Sie mit mir? Mit Ihrer Unterschrift setzen Sie ein Zeichen für eine transparente, funktionierende Demokratie und gegen Hinterzimmerdeals und Vorteilsnahme!

Ich zähle auf Ihre Unterstützung! Herzlichen Dank,
Rifka Lambrecht, Jugendrat der Generationen Stiftung

P.S.: Diese Arbeit wäre ohne die Hilfe von tausenden Unterstützer:innen nicht möglich. Egal ob Sie unseren Newsletter abonnieren oder uns mit einer kleinen Spende unterstützen können – bitte verbünden Sie sich mit uns im Kampf für Generationengerechtigkeit!

Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren

Den Autoren der „Jerusalem Declaration on Antisemitism“ geht es nicht um eine Präzisierung der Antisemitismus-Definition der IHRA, sondern um die Freisprechung vom Antisemitismusverdacht, sofern es um Äußerungen oder Aktionen gegen Israel geht. Sie wollen einen Freibrief für israelbezogenen Antisemitismus.

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Apr. 2021 | In vino veritas, Politik, Zeitgeschehen, In Arbeit | Kommentieren
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Auch Bäume können sterben, wie dieser tote Wald im Harz zeigt.

Der Klimawandel, das Artensterben und tödliche Viren bilden ein gefährliches Dreigespann. Eines, das sich der Mensch selbst zuzuschreiben hat. Eines, für das er eine Lösung braucht. Ansonsten sind stinkende Wälder und Bestäubung von Menschenhand bald an der Tagesordnung.

„Corona ist nichts gegen das, was noch wartet“, hat Josef Settele im vergangenen Dezember in einem Gastbeitrag geschrieben. „Die nächste Pandemie wird kommen“, sagt der Biologe und Naturschutzforscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung voraus. „Hat die Menschheit Pech, wird sie weitaus tödlicher als die Corona-Welle sein.“

Denn Klimawandel, Artensterben und tödliche Krankheiten befeuern sich wechselseitig, wie er in seinem Buch „Die Triple-Krise“ schreibt. Wir holzen Wälder ab und entfernen dadurch die natürliche Barriere zu Tieren, die gefährliche Viren in sich tragen. Aber wieso steigt die Gefahr von Pandemien, wenn Arten aussterben? Wenn Millionen Tiere von der Erdoberfläche verschwinden, müssten die Gefahren dann – zynisch betrachtet – nicht weniger werden?

Jein, sagt der Biologe. „Ja, es bleiben weniger Arten übrig, aber die Idee dieser Annahme ist, dass wir diejenigen loswerden, die wir nicht haben wollen. Meistens ist das Gegenteil der Fall. Wir sind nicht besonders erfolgreich darin, bestimmte Arten auszurotten. Wir löschen immer die aus, um die es gar nicht geht und verstärken das Problem.“

Insekten sind systemrelevant

Der Mensch ist der Architekt seines eigenen Untergangs. Das Horrorszenario, das Josef Settele in seinem Buch beschreibt, sieht so aus: Schon in knapp 20 Jahren sind viele Wälder für Besucher gesperrt, weil Äste von toten Bäumen herunterfallen und sich darin Tiere aufhalten, die gefährliche Viren in sich tragen. Und die wenigen Wälder, die man noch betreten darf, sind verstörend still, denn Vögel hört man nicht mehr. Sie haben den Wald auf der Suche nach Futter verlassen, wenn sie nicht schon ausgestorben sind. Dafür stinkt es neuerdings erschreckend unangenehm, weil der Wald zu einem Sammelbecken für Kot und verendete Kadaver geworden ist.

Die Ursache ist in allen Fällen gleich. Für etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten könnte in den nächsten zwei bis fünf Jahrzehnten das Aus kommen. Fast die Hälfte davon sind Insekten, denen zu Unrecht durch Mücken und Fliegen ein notorisch schlechtes Image anhaftet. Denn sie bestäuben nicht nur Pflanzen, sondern vernichten auch Kot und Kadaver und dienen den Vögeln als Futter. Leider sind sie nicht so süß wie Pandabären, deshalb werden sie „gravierend unterschätzt in ihrer Wichtigkeit“, wie es Insektenforscher Settele formuliert. Sie sind das tierische Äquivalent der systemrelevanten Arbeitskräfte.

„Etwa die Hälfte der Arten geht verloren“

Insekten sind die artenreichste Tierklasse. Weltweit sind eine Million Arten bekannt, in Deutschland leben etwa 30.000. Nicht nur Mücken und Fliegen, sondern auch Ameisen, Bienen, Heuschrecken, Käfer, Schaben, Schmetterlinge und Wespen. Aber gerade die Bestände der Fluginsekten gehen zurück, auch wenn niemand in absoluten Zahlen sagen kann, wie viele betroffen sind. Dafür gibt es viel zu viele.

„Durchschnittsbürger erkennen, ob ein Schmetterling bläulich ist, aber nicht, ob er zu dieser oder jener der 50 bläulichen Falter-Arten gehört“, umschreibt der Insektenforscher das Problem. „Von den Wildbienen gibt es 300 bis 400 unterschiedliche Arten in Deutschland. Von denen stehen 40 bis 50 Prozent auf der Roten Liste und kommen dem Aussterben näher. Ähnlich ist es bei Schmetterlingen. Bei vielen Gruppen geht etwa die Hälfte der Arten verloren.“

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Josef Settele ist Biologe am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Co-Vorsitzender des Weltberichts zum ökologischen Zustand der Erde sowie „Umweltweiser“ der Bundesregierung.

Dass Insekten aussterben, weiß man vor allem aus jahrelangen Beobachtungen. Über die Jahre ist durch die mühevolle Arbeit freiwilliger Insektenfreunde aufgefallen, dass es bestimmte Arten heute nicht mehr gibt, die vor fünf Jahrzehnten noch in heimischen Wäldern und Wiesen anzutreffen waren. Bahnbrechend war die Veröffentlichung der „Krefelder Studie“ vor vier Jahren. Darin hat der Entomologische Verein Krefeld über einen Zeitraum von 27 Jahren hinweg die Zahl der Fluginsekten in seiner Region erfasst. Die Entwicklung ist niederschmetternd: Von 1989 bis 2016 konnte ein Rückgang von 76 Prozent der Biomasse nachgewiesen werden. Welche Arten betroffen waren, wurde nicht untersucht.

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Die Studie ist nicht frei von Kritik. Gerade ein Industriestandort wie Nordrhein-Westfalen ist keine Modellregion für Tier- und Artenschutz. An manchen Stellen hat der Krefelder Verein über einen Zeitraum von fast drei Jahrzehnten außerdem nur ein oder zweimal Insektenfallen aufgestellt, um nachzuzählen. Aber so ungenau die Zahlen auch sind, es sind die besten, die wir haben, der Trend lässt sich nicht leugnen. Und das ist gerade bei Fluginsekten fatal. Unsere natürlichen Landwirte sammeln Pollen und Nektar ein, bestäuben damit weltweit fast 90 Prozent aller Blütenpflanzen, darunter drei Viertel aller wichtigen Nutzpflanzen.

„Fluginsekten sind indirekt für rund ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion verantwortlich“, sagt Josef Settele. „Auch an der Herstellung von Fasern, Medikamenten, Biokraftstoffen und Baumaterialien haben sie großen Anteil.“ Oder auch nicht, wie ein Beispiel aus der Sichuan-Provinz zeigt, dem größten Obstanbaugebiet Chinas.

„In gewissen Tälern gibt es keine Bestäuber mehr“, erzählt der Biologe. „Dort ist seitdem der Mensch gefragt: Wenn wir Obst anbauen wollen, müssen wir eben von Hand rangehen, um den Verlust der Insekten auszugleichen. Aber der Mensch ist kein Experte auf dem Gebiet, er ist ein Stümper.“

„Der Mensch ist ein Stümper“

In China war eine unbedachte Anweisung des Großen Vorsitzenden Mao Tse-tung für das Insektensterben verantwortlich. Mao hatte es 1958 eigentlich auf den allgegenwärtigen Spatzen abgesehen, weil der sich an der Getreideernte bediente. Wenige Jahre später war der kleine Vogel erfolgreich ausgerottet, mit ihm aber auch der natürliche Fressfeind gefräßiger Insekten, die sich an seiner statt über die Ernte hermachten. Es kam zum flächendeckenden Einsatz von Insektiziden, der die Bienen in die Flucht trieb. Eine fatale Entscheidung hat den Anbau im größten Obstanbaugebiet Chinas nahezu unmöglich gemacht.

Ein kostspieliger Fehler. Aber schiefgehen kann es selbst dann, wenn man versucht, es richtigzumachen. Wie in Neuseeland, einem weltweiten Naturschutz-Vorbild, in dem trotz aller Bemühungen derzeit 4000 heimische Arten bedroht sind. Der Grund ist der Mensch, seine urbane Ausbreitung, sein Hang zum Roden und vor allem seine monotone, industrielle Landwirtschaft.

In Neuseeland floriert vor allem die Milchwirtschaft. Seit 1994 hat sich die Zahl der Milchkühe auf beinahe sieben Millionen verdoppelt. Das Geschäft boomt, mehr als 130 Länder beziehen ihre Milch aus der Fünf-Millionen-Einwohner-Nation. 95 Prozent der Erzeugnisse gehen ins Ausland und kurbeln die heimische Wirtschaft an. Klima, Boden und Wasser sind perfekt dafür geeignet, schreibt der Verband der neuseeländischen Milchindustrie auf seiner Webseite. Wie lange wohl noch?

Mehr Kühe, mehr Geld, mehr Umweltschäden

Kühe produzieren Unmengen an Gülle, Dung und Methan. Ihr Haltungsmonopol macht den Boden unfruchtbar. Damit auf neuseeländischen Wiesen überhaupt noch irgendetwas zum Verzehren und Ernähren der Milchmaschinen wächst, setzen die Bauern großflächig synthetischen Dünger ein und vergiften so peu à peu ihre einst fruchtbaren Böden, zerstören erst die Pflanzen und dann die Tierwelt. Schritt für Schritt weicht die wundervolle neuseeländische Natur und mit ihr weichen die Insekten. Der Mensch betreibt „ökologischen Wahnsinn“, wie es Josef Settele nennt, und nimmt sich damit seine eigene Lebensgrundlage.

Es gibt leichtere Fragen als die, wie man diese Entwicklung stoppen kann. „Am Ende des Tages muss das rentable Rind weniger rentabel werden“, konstatiert der Biologe. „Das heißt, die Folgekosten, die der Staat normalerweise trägt, müssen sich im Produkt wiederfinden, damit die Allgemeinheit nicht darauf sitzen bleibt.“

Aber trotz aller Horror-Szenarien hat Josef Settele den Eindruck, dass es in die richtige Richtung geht. Sein eigenes Szenario, das er für das Jahr 2040 entworfen hat, hält er selbst für unwahrscheinlich. Eine drei auf einer Skala von eins bis zehn würde er der Menschheit aktuell verteilen. Das macht Hoffnung, heißt aber: Es ist noch Luft nach oben.

Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren
Wer erlöse uns von dem Bösen?

In den Städten und Dörfern spritzt das Blut tausender Geißler. Denn nur eins ist so bitter wie der Schwarze Tod selbst: die Erkenntnis, dass die Kirche in der größten Krise versagt hat.

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Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren

Ihr konntet Euch – hoffe ich – über Ostern ein wenig erholen vom alltäglichen Corona-Wahn. Die „erweiterte Ruhezeit“ ist Deutschland nach dem entschuldigungsreichen Zurückrudern der Kanzlerin ja erspart geblieben, und ich meine, mit diesem Eindruck nicht falsch zu liegen: Die Bürger haben sich trotz alledem nicht zu ausgedehnten Saufgelagen oder ausschweifenden Orgien im Stadtpark oder im Wald getroffen. Man möchte es kaum glauben: Der ganz überwiegende Teil der Bevölkerung handelt auch ohne permanente Schulmeisterei seitens der Politik durchaus vernünftig und eigenverantwortlich. Wenn aber praktisch jeden Tag irgendwelche neuen Eindämmungsmaßnahmen gelten, ist es ohnehin am besten, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

Doch der Osterhase war noch in voller Betriebsamkeit, da legte prompt Armin Laschet das nächste Ei und kam mit seinem Vorschlag für einen harten „Brücken-Lockdown“ um die Ecke. Der CDU-Chef und nordrhein-westfälische Ministerpräsident, bisher fest verortet im Lager der Lockerer, wechselte also auf einmal ins „Team Vorsicht“ von Markus Söder und Angela Merkel. Was ihn wohl zu diesem Schritt bewogen haben mag, wo doch gleichzeitig sein Amtskollege Tobias Hans exakt die Gegenrichtung einschlägt und im Saarland vorsichtige Öffnungsschritte erprobt?

Über sieben Brücken musst du gehen

Fakt ist: Deutschland verheddert sich immer mehr in seinem widersprüchlichen Corona-Management, und jetzt kommt auch noch der Wahlkampf dazu. Dass Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union werden möchte, steht mittlerweile wohl außer Frage – und in diesem Licht muß wohl auch sein jüngster „Brücken-Lockdown“-Vorstoß zu verstehen sein. Freunde haben versucht, die Situation zu entwirren und gelangten zu einem interessanten Ergebnis. Mit seiner Corona-Brücke, meinen sie einvernehmlich, komme Laschet jedenfalls nicht zur Kanzlerkandidatur, geschweige denn ins Kanzleramt.

Einen konkreten Effekt aber hatte die Idee des CDU-Vorsitzenden dann doch: Einer der Freunde verriet uns, dass er seit dem Wochenende ständig Peter Maffays Song „Über sieben Brücken musst du gehen“ im Kopf habe. Und ich hatte nicht den Eindruck, dass sie Laschet für diese Trigger-Leistung dankbar ist.

Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren

Kunstmuseum St.Gallen | Pressemitteilung

Kommunikation

Einblicke – Ausblicke
Sammlungsperspektiven II

5. Juni – 10. Oktober 2021, Kunstmuseum St.Gallen

In einem wechselvollen Parcours schaut die Ausstellung Einblicke – Ausblickeauf Landschaften, Innenräume und Stillleben aus der Sammlung des Kunstmuseums. Viele Hauptwerke, aber auch Arbeiten, die selten zu sehen sind, umfassen fast 500 Jahre Kunstgeschichte – von der Renaissance bis zur Gegenwart, in allen Medien: Malerei, Plastik, Grafik, Fotografie, Video…

Bartholomäus Lämmler, Viehweide unter Kamor, Hohem Kasten und Staubern, 1854, überwiesen vom Historischen Museum St.Gallen 1978

Die frühe „symbolische“ Landschaft ist ebenso vertreten wie der Realismus der holländischen Malerei im „Goldenen Zeitalter“ und die bäuerlichen Lebenswelten der Appenzeller Senntumsmaler. Auf Camille Corot und die „Ecole de Barbizon“ folgt das impressionistische Highlight Palazzo Contarini von Claude Monet. Die Schweizer Kunst nach 1900 repräsentiert, neben Ferdinand Hodler, eine starke Ostschweizer Abteilung mit Sebastian Oesch und Ferdinand Gehr. Klassisch moderne Positionen markieren Ernst Ludwig Kirchner, Sophie Taeuber-Arp und Le Corbusier, während Franz Ackermann zeitgenössisches urbanes Lebensgefühl und David Claerbouts Video die Wahrnehmung von Zeit thematisieren.

Die Präsentation versteht sich als komplementäres Gegenstück zur gleichzeitig laufenden Ausstellung Blicke aus der Zeit, die auf das Gesicht und das menschliche Auge fokussiert. Was dieses er-blickt, wenn es sich nicht auf ein Gegenüber, sondern auf das ganz Naheliegende oder das weit Entfernte richtet, entfaltet sich hier in ikonografischer, motivischer, stilistischer und medialer Vielfalt.

Kuratoren: Lorenzo Benedetti, Matthias Wohlgemuth

Wenn Sie Interesse an einem Presse- oder Interview-Termin haben, melden Sie sich unter kommunikation@kunstmuseumsg.ch

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www.kunstmuseumsg.ch

Attachments
Bartholomäus Lämmler, Viehweide unter Kamor, Hohem Kasten und Staubern, 1854, überwiesen vom Historischen Museum St.Gallen 1978

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Franz Ackermann, Nenn mich nicht Stadt, 2003

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Anonymer Haarlemer Meister, Stillleben mit Austern, um 1630, Foto: Sebastian Stadler

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Herri met de Bles, Der Weg zum Kalvarienberg, um 1540, Foto: Sebastian Stadler

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Kirchner Ernst Ludwig, Bahnhof Davos, 1925, Foto: Sebastian Stadler

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Monet Claude, Palazzo Contarini, Venedig, 1908, Foto: Sebastian Stadler

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Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren
Kanonenfeuer in der Schlacht von Vimy, Mai 1917

Christopher Clark hat eine Studie über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verfasst: „Die Schlafwandler“ ist das Buch des Jahres. Und eine Mahnung an alle, die militärische Konflikte regional begrenzen wollen.

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Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren

Wir sind die Kurve! – Mit Freunden in den Park oder mit den Verwandten auf einen Tee. Machen wir uns nichts vor: Aus privaten Treffen werden zigtausend Corona-Risiken.

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Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren

Kaiser Konstantin I. mit den Ergebnissen des Konzils von Nicäa

Zur Ostergeschichte scheint sowohl theologisch als auch von der historisch-kritischen Bibelwissenschaft alles gesagt zu sein. Mag sein, offenbar aber doch nicht von allen. Der Publizist und Bestsellerautor Franz Alt versucht sich in einem neuen Buch mit Breitenwirkungscharakter wieder an einer Frage: Was, wenn die Übersetzungen der Ostergeschichte unscharf wären und Jesus gar nicht am Kreuz starb? Alt argumentiert mit der aramäischen Variante der Evangelien – und fordert die Rückkehr der Kirche zu einer „jesuanischen“ Institution. Einmal mehr wird die Rolle von Paulus in der Auslegung der Geschehnisse nach Golgatha kritisiert.

Was haben die Anti-Atom-Bewegung, die Krise der CDU, die Grünen-Bewegung, die Debatten über den Standort der Kirche, Diskussionen über die Gleichberechtigung und Greta Thunberg mit der Ostergeschichte zu tun? Eigentlich nichts, könnte man meinen; für den deutschen Publizisten, Buchautor und einstiges Mitglied der Union, Franz Alt, wiederum alles. Er sieht Jesus als Vorbild für die Neuordnung der Politik, Gesellschaft – und nicht zuletzt der Kirche, seiner Kirche. Dass Alt seine guten Absichten vom „pazifistischen Jesus“ auch in der „Nationalzeitung“ abdrucken ließ, hat dem Grimme-Preisträger auch zusätzliche Kritik eingetragen.
Helfen würde laut Alt die Änderung des bisherigen Bildes von Jesus von Nazareth. Verkürzt: Er rät zur Verabschiedung vom Dogma der göttlichen Natur Jesu, was gelinde gesagt, die katholische wie reformierte Theologie auf den Kopf stellen würde. Bereits im 4. Jahrhundert, zum Konzil von Nicäa, als das Christentum unter Konstantin I. toleriert und auf den Weg Richtung Staatskirche geschickt wurde, hielt man die Gottesnatur von Jesus Christus als Dogma fest. Davon abfallende Glaubenslehren wie der Arianismus wurden unter Strafe gestellt.
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Eine Rückübersetzung und ein neuer Blick
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Alt vertraut zwar auf den Text der Evangelien, vor allem auf die Rückübersetzung der Evangelien ins Aramäische, wie sie vom deutschen Pater Günther Schwarz über Jahrzehnte hinweg durchgeführt und propagiert wurde. Gestützt auf die Thesen von Schwarz geht Alt aber von Übersetzungsfehlern der Evangelien aus und spricht von dogmatisch-theologischen Wunschzurichtungen der Bibel, die nichts mit den Absichten Jesu zu tun hätten. Von der historisch-kritischen Bibelforschung ist dieser Ansatz nicht gedeckt (und wer eines der Bücher von Schwarz mit seinem Text der Evangelien haben möchte, muss auf den Buchantiquitätenmark 300 Euro aufwärts hinlegen).

Der spät zum Pfarrer berufene Schwarz ging in seiner Forschung vom Versuch einer Rückübersetzung aus, in dem er die griechische Bibel ins Aramäische rückübersetzte und missverständliche Stellen mit einer Art Nachinterpretation zu füllen suchte, um eine im Aramäischen stimmige Version herzustellen. Für den Quellenabgleich zog Schwarz etwa die Peschitta heran, die Bibel für die Kirchen in der syrischen Tradition, deren Wurzeln bis ins 1. Jahrhundert zurückreichen. Schwarz meinte, er habe dabei den Sprachduktus eines Propheten der damaligen Zeit rekonstruieren können, etwa indem er alle Aussagen Jesu in Versform setzte. Begründung dafür: Die Propheten der Zeit hätten damit ihren Äußerungen die Gestalt leichter merkbarer Thesen gegeben.

Abrechnung mit Paulus

Schwarz’ Erkenntnisse rechnet Alt nun auch in diesem Band stimmungsvoll hoch für eine Auseinandersetzung mit dem Amtskirchentum. Alle Leser, die sich freilich immer schon mit dem Konzept der Wandlung in der Liturgie schwertaten, werden bei der Lektüre von Alt jubilieren. Er tritt gegen die paulinische Losung (1. Kor. 1, 23) an, die die Auferstehung „zum Dreh- und Angelpunkt des Glaubens“ mache. Das verstelle den Blick auf die zentralen Botschaften Jesu, der wie alle Propheten seiner Zeit in einer Mode von Wiedergeburtsüberzeugungen unterwegs gewesen sei (eines der Fundamente der Annahmen auch bei den Übersetzungen von Schwarz).

Bücher zum Thema

  • Franz Alt: Die größte Liebe aller Zeiten. Die wahre Geschichte von Jesus, Maria Magdalena und Judas. Herder, 320 Seiten, 24,70 Euro.
  • Johannes Fried: Kein Tod auf Golgatha. Auf der Suche nach dem überlebenden Jesus, C.H. Beck, 195 Seiten, 20,60 Euro.

Auch wenn Alt in der Frage, ob Jesus am Karfreitag gestorben sei oder nicht, nicht klar Stellung beziehen will, so sagt er, dass an keiner Stelle der Evangelien der Tod Jesu festgehalten sei. Alt verweist auf die Einheitsübersetzungen der Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, in denen sich überall die Metapher des „ausgehauchten“ oder „aufgegebenen Geistes“ finde. Er möchte, wie er selbst sagt, in der Ostergeschichte nach den „Fakten“ suchen, „und nicht nach den christologischen Ideen, die zu bestimmten Lehren der Kirche passen“. Muss er nicht, er ist Publizist und nicht Theologe. Nur werden ihm die Theologen kaum folgen können, etwa wenn er mit Verweis auf ein Zitat aus der Schwarz’schen Rückübersetzung zur Begegnung von Jesus mit Maria von Magdala am Ostermorgen zitiert: „Berühre mich! Denn ich bin gar nicht gestorben.“ (Joh, 20, 17 RÜ)

Neuausrichtung des Kirchenbildes

Alt würde ein bisschen mehr Bescheidenheit guttun, meinten Kritiker seines Ansatzes, hielten ihm aber zugute, dass er sich für eine positive Betonung der Botschaften Jesu und für eine optimistisch-empathische Kirche einsetze. Dass man freilich aus der bemüht projektiven Lesart einer Rückübersetzung nicht über die Quellenproblematik zur Bibel hinauskommt, liegt auf der Hand.

„Tatsache ist, dass außer einigen außerhalb des Neuen Testaments überlieferten Worten alles, was Jesus gesagt hat (haben soll), nur in den vier griechisch geschriebenen Evangelien überliefert ist“, erinnert etwa der Theologe und Sozialphilosoph Franz Magnis-Suseno an die Ausgangslage zur Beurteilung der Bibel. Mit dem bei Alt gerne verwendeten Wort „Fälschung“ solle man allerdings – dies zumal und gerade dann – wenn man selbst nur Projektionen zur Hand habe, bescheidener umgehen.

Wer schon kann das: Ein wahres Jesus-Bild behaupten?

Die Lanzenstiche, die Jesus in der Geschichte der Kunst erhalten hat, hätte er schwerlich überlebt. Mal traf es ihn links, mal auf der rechten Seite

Wäre das Christentum allerdings tatsächlich nur einer Fälschung aufgesessen, dann wäre „der wirkliche Jesus tatsächlich seit 2.000 Jahren sehr tot“ – und zudem ohne jede Folgewirkung geblieben; so jedenfalls wäre die Kritik von Magnis-Suseno zu deuten.
Alt wiederum – was ehrenwert ist – möchte Jesus als „Eingeborenen des Nahen Ostens seiner Zeit“ verstanden wissen. Das ermögliche, von den dogmatisierten und ideologisierten Jesus-Bildern des Abendlandes wegzukommen. Der Boden für seinen Ansatz bleibt jedoch dünn und letztlich ebenso eine Glaubens- wie Überzeugungsfrage.

Fehlende Belege für die Auferstehungsthese

Die These vom Tod Jesu wird aber auch von geschichtswissenschaftlicher Seite und ohne Rückgriff auf aramäische Spitzfindigkeiten zumindest mit einem großen Fragezeichen versehen. Neben zahllosen Scheintod-Debatten-Strängen äußerte zuletzt der Historiker Johannes Fried in seinen Büchern, etwa „Kein Tod auf Golgatha“, Zweifel an der These vom Ableben Jesu auf Golgatha.

Oder,  anders: Fried sieht fehlende Belege für eine Auferstehungsthese. „Die Darstellung und der Sprachgebrauch bei Paulus und in den Evangelien liefern keinerlei Beweis für die ‚Auferstehung‘, sondern nur für die Bereitschaft, an eine solche zu glauben“, so Fried. Als die erste von Paulus bezeugte Glaubensformel entstanden sei, habe das griechische Wort egeirein im situativen Kontext nur „aufgewacht“ bedeutet und habe erst durch christlichen Einfluss die Bedeutungsebene von „auferwecken“ bekommen. „Jesus ist gestorben und auferstanden“ (1 Thess., 4,14, 1 Kor. 15,3-4) beziehe sich auf das griechische Verb anhistánai (KFG), das im zeitgenössischen Griechisch bloß „aufstehen“ oder „sich aufrichten“ meinte. Die Interpretation des Paulus setze also einen „schon elaborierten Glauben“ voraus.

Dass Gott Jesus von den Toten auferweckt habe, lasse sich nicht vor Paulus datieren, betont Fried: „Erst die Evangelisten formulierten und propagierten die endgültige, die ultimative Geschichte.“

An ein leeres Grab zu erinnern, so Fried, habe sich bei Paulus erübrigt: „Er verschmolz das wunderbare Handeln Gottes an Jesus mit seiner eigenen Christusschau.“

Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren

Viele Menschen haben in Verbindung mit der Corona-Pandemie gemerkt, dass sie eigentlich an jedem Ort der Welt arbeiten können. Gleichzeitig sorgen Fehlentscheidungen für ein sinkendes Vertrauen der Bürger in Regierungen und Institutionen.

Und dezentrale Technik macht gerade völlig neue Formen menschlicher Kooperation möglich. Hat – wie wir ihn kennen – der Staat bald ausgedient? Wir gehen auf Spurensuche – und stoßen immer wieder auf ein beinahe hellsichtiges Buch aus den 1990ern. (mehr …)

Apr. 2021 | In Arbeit | Kommentieren

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