Nehmen wir doch einfach den Dingen, vor denen wir uns fürchten, die Maske ab, gehen wir (es lebe die veritanische Akademie) dem Tod, vor dem wir uns nicht zu fürchten haben, entgegen. Nähern wir uns ihm allein in der Sokrates zugesprochenen unkünstlichen Kühnheit. Nehmen wir dem Tod das „Metaphysische“, denken wir nicht an Hölle, nicht an Teufel, die Erbsünde oder das Paradies. Nehmen wir den Tod als diesseitiges, als irdisches Geschenhen, als Geschenk! Verzichten wir dabei getrost auf alle antiken oder vulgärbiologischen Tröstungen einer „Rückkehr in die Natur“. Das menschliche Leben – dieses menschliche Leben – hört auf. Basta! Anders möchte ich mir das garnicht vorstellen müssen!
Der Tod ist schrecklich, ein Werk des Bösen: so, sagt man und so dachten die Menschen des Mittelalters – was (unter anderem) die Maßlossigkeit erklärt, die Wildheit ihrer Liebe zum Leben: irdische Jenseitsvorstellungen komplementieren ein irdisches Leben.
Nur der Mensch schuf das höchst eigenartige Universum des Klanges: Was eigentlich ist Musik? Und wozu dient das scheinbar sinnlose Aneinanderreihen von Noten? Der US-Autor Robert Jourdain sucht die Antworten in den Labors der Hirnforscher.
Vier Milliarden Jahre lang war es still auf Erden. Lautlos prasselte der Regen auf den kargen Fels, stumm blies der Sturm durch die Schluchten, die Meere wogten, doch sie rauschten nicht.
Denn die Millionen von Quallen, Würmern, Seelilien, Schnecken und Algen, die das kambrische Meer bevölkerten, waren taub. Noch gab es kein Ohr, das die allgegenwärtigen Schwingungen der Luft und des Wassers in Geräusche hätte verwandeln können. Das Gehör ist ein Spätentwickler der Evolution. Längst erforschten Augen, Geruchs- und Tastorgane die Welt, als der Kosmos des Klanges noch unentdeckt war. Erst vor einigen hundert Millionen Jahren drangen die ersten Kundschafter vor ins Reich der Laute: die Fische. Wasserwellen durchliefen ihre Leiber und reizten die Bewegungssensoren, mit denen ihre Flanken bestückt sind. Diese funkten eigenartige Signale ans Hirn, das Geflecht der Neuronen entlockte ihnen nützliche Botschaften – ein Zufallsprodukt der Evolution begann ein Eigenleben zu führen.
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Der Mensch ist und bleibt ein lebenslänglicher Tollpatsch. Er rühmt sich des aufrechten Ganges – und fällt doch immer wieder auf die Nase. Glücklich kann er trotzdem werden. Kaum hatten wir gelernt, auf zwei Beinen zu stehen, fielen wir auch schon hin – und hörten damit für eine ganze Weile nicht wieder auf. Wir standen, fielen und waren gefallen. Dies gehörte zu den ersten Lektionen, die das Leben uns lehrte – und keine haben wir gründlicher verinnerlicht: Ich falle, also bin ich.
Die Frage, was überhaupt „deutsch“ ist, hat an Popularität gewonnen – das lässt sich angesichts der Ergebnisse der letzten Bundestagswahl nicht bestreiten. Dass selbst in Kreisen der Unionsparteien wieder widerstandslos von einer „konservativen Revolution“ gesprochen wird, unterstreicht diese allgemeine gesellschaftliche Tendenz. Es ist nicht zu leugnen: „Deutschland verändert sich.“
Damit beginnt Peter Trawnys 2016 erschienenes Buch, das mit der Frage Was ist deutsch? betitelt ist, um im Untertitel konkreter den Verrat an dem Vermächtnis Adornos zu konstatieren.
Bereits 1965 hatte Adorno in einem Radiointerview diese Frage „reflektiert“, was im ersten Schritt ihre Kritik bedeutet. „Denken ist, an sich schon, vor allem besonderen Inhalt Negieren“, heißt es in der Negativen Dialektik pointiert. Adorno wende sich gegen die vergegenständlichte Form des Denkens, durch die es ‚das Deutsche‘ auf einige Charakteristika herunterbricht, um es dann scheinbar allgemeingültig festzusetzen, referiert Trawny Adornos Kritik der Frage. Vielmehr gebe es statt einer deutschen Identität eine Nicht-Identität des Deutschen.
Zwar haben sie auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Aber der Fall Cambridge Analytica, der Uber-Unfall und ein obskurer Fachartikel zeigen:
Wir erleben etwas menschheits –
geschichtlich Einzigartiges. „Die größte Schwäche der Menschheit“ – so der Physiker Al Bartlett in „The Essential Exponential!“ sei „ihre Unfähigkeit, die Exponentialfunktion zu verstehen.“
Man stelle sich folgende Situation vor: Zwei Personen gehen jeweils 30 Schritte.
Neben dem traditionsreichen Heidelberger Bachchor (Foto: © Annemone Sake) unter der Leitung von Christian Kabitz und dem Philharmonischen Orchester Heidelberg begleiten die Sopranistin Silke Evers, der Altus Jonathan Mayenschein, der Bass Thomas Trolldenier sowie der Heidelberger Tenor Namwon Huh das Konzert. Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Silke Evers ist in großen Konzertsälen wie der Berliner Philharmonie, dem Berliner Konzerthaus, der Kölner Philharmonie oder der Tonhalle Zürich zu hören und kommt für dieses Konzert nach Heidelberg. Der erst 1997 geborene Jonathan Mayenschein erhielt bereits im Alter von sechs Jahren Gesangsunterricht. Er war Mitglied in verschiedenen Chören, u. a.bei den Aurelius Sängerknaben, ähnlich wie Gastsänger Thomas Trolldenier, der seine ersten sängerischen Erfahrungen als langjähriges Mitglied der Würzburger Domsingknaben sammelte. Der beliebte Heidelberger Tenor Namwon Huh ist derzeit unter anderem als Ernesto in „Don Pasquale“ und Don Ottavio in „Don Giovanni“ zu erleben und wechselt für diesen Abend in der Peterskirche Kostüm und Maske gegen Frack und Sängerpult.
Nicht oft sind Arbeiten aus der Ideengeschichte so aktuell wie die vorliegende des französischen Historikers Johann Chapoutot. Das Buch erschien – ausgehend von seiner Dissertation von aus dem Jahr 2008 – zunächst bei PUF 2012, und nun, nach mehrjähriger Arbeit auf Deutsch, mit einem Vorwort von Uwe Puschner, einem Fachmann für die Geschichte der völkischen Bewegungen. Chapoutot ist inzwischen Professor an der Sorbonne Nouvelle (Université III) sowie Mitglied des Institut Universitaire de France und Autor weiterer Bücher zur faschistischen Epoche, zuletzt 2014 „La loi du sang. Penser et agir en nazi“.
Bei dem hier anzuzeigenden Titel handelt es sich um den minutiösen, aber dennoch spannend geschriebenen Nachweis des rassistischen Missbrauchs jener deutschen Altertumskunde, die mit Johann Joachim Winckelmann 1755 begann und eine beispiellose Karriere im europäischen, aber vor allem deutschen Denken erlebte.
Die Renaissance war eine Revolution, die erst Europa und dann die ganze Welt für immer veränderte. In seinem grandios erzählten Buch entfaltet Bernd Roeck ein beeindruckendes Panorama dieser dramatischen Epoche. Zugleich erklärt er im Horizont der Globalgeschichte, wieso es in Europa zu dieser einzigartigen Verdichtung von weltbewegenden Ideen, spektakulären Entdeckungen und historischen Umwälzungen kommen konnte. Um die Wurzeln der Renaissance freizulegen, blickt Bernd Roeck weit ins Mittelalter und die Antike zurück – und weit über die Grenzen Europas hinaus. Mit analytischer Schärfe und darstellerischem Glanz lässt er die Epoche vor den Augen des Lesers auferstehen: die große Kunst, die unter Italiens Himmel entstand, und die Ideen der Humanisten ebenso wie die Religionskriege und die Anfänge der Unterwerfung fremder Erdteile. Er erzählt von Kaufleuten und Dichtern, Kaisern und Päpsten, klugen Frauen und monströsen Männern, von den Großen der Zeit und den Kleinen, die fern derPaläste mit Krankheit und Hunger kämpften. Schließlich zeigt dieses Opus magnum, dass die Renaissance mit ihren Innovationen nicht nur Sehnsuchtsorte der Schönheit und des Geistes schuf, sondern auch die Fundamente für unsere moderne Welt.
Passend zu den ersten richtigen Sonnenstrahlen des Jahres freuen wir uns sehr, Ihnen einen Überblick über unsere nächsten Projekte geben zu können: Am 15. März begrüßen wir um 20:00 Uhr im Heidelberger BETRIEBSWERK Salome Kammer und Edgar Reitz in einem Gesprächskonzert aus unserer Konzertreihe Musik im Kontext, diesmal zum Thema Film.Im Rahmen des Heidelberger Frühlings findet am 19. April um 21:00 Uhr ein Portraitkonzert zu dem Komponisten José María Sánchez-Verdú mit unseren beiden Ensembles in der Peterskirche statt. Zusätzlich gibt es bereits um 20:15 eine Einführung mit dem Komponisten selbst.


