Diese Geschichte erzählt uns weniger Schnurren, denn ein Zukunftsideal: 1516 wird in der flämischen Universitätsstadt Löwen ein Buch gedruckt, das wie kaum ein anderes Werk das Denken ganzer Epochen beeinflusst hat. Der Roman »Utopia« des englischen Humanisten, Staatsmanns und Heiligen Thomas Moore, auch Morus genannt, der – wie das ja zu Zeiten für Utopisten nicht unüblich war – 1535 unter König Heinrich VIII. hingerichtet wurde, begründete eine europäische Denktradition, die noch immer lebendig ist. Zugleich war es die Geburtsstunde eines neuen Begriffs, der kontroverser nicht hätte sein können. Unter Utopie wird heute landläufig die Idee eines bestimmten gesellschaftlichen Idealzustands verstanden, der in den Augen seiner Anhänger nicht nur wünschenswert, sondern auch erreichbar ist. Am Beginn stand jedoch ein anderer Ansatz. Schauen wir fünf Jahrhunderte zurück, offenbart sich die wechselvolle Geschichte der Utopie als die Geschichte eines großen Missverständnisses. Vorweg: Thomas Morus war – im heutigen Sinne jedenfalls – kein Utopist. (mehr …)
Noch bis zum 15. Oktober 2019 sucht Wissenschaft im Dialog die kreativsten Ko-Produktionen von Mensch und Maschine – Beim Wettbewerb Beats & Bits geht es um Musikstücke, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) aufgenommen wurden. Schüler, Hobby-, aber auch Profi-Musiker können ab sofort auf beatsundbits.de in Interaktion mit KI-basierten Musiksoftwares treten, gemeinsam Songs komponieren und diese einreichen. Die zwölf besten Beiträge werden mit insgesamt 7.000 Euro prämiert und im Rahmen einer offiziellen Preisverleihung im Dezember 2019 ausgezeichnet.
Donald Trump und Boris Johnson – was steckt hinter Narzissten und warum sind sie als politische Führer für Mehrheiten attraktiv? Wie wir werden, wer wir sind – und was das für die Politik, unsere Gesellschaft und deren Zukunft bedeutet: Der Neurowissenschaftler Joachim Bauer über neueste Erkenntnisse der Hirnforschung und deren soziopolitische Relevanz.
In Zeiten grassierender Ichbezogenheit und gesellschaftlicher Strömungen, die Selbstbehauptung durch Abgrenzung gegenüber anderen forcieren, vermittelt Joachim Bauer ein klares Bild davon, wie wir werden, wie wir sind. Und er erklärt, warum wir diesen Weg der Selbstwerdung nur gemeinsam mit anderen finden können.
Welches psychologische Muster steckt hinter den Narzissten, die in vielen Ländern die politische Bühne für sich reklamieren, ob in den USA, in Italien, Brasilien und ganz aktuell mit Boris Johnson auch in England? (mehr …)
Die Galerie Schlichtenmaier ist über die Ferienzeit geöffnet. Der 50. Geburtstag der Galerie ist Grund genug, um die Kunst nicht in die Sommerferien zu schicken.
Wer also während der heißen Tage Kühlung durch die Klimaanlage oder durch alte Schlossmauern sucht, ist in den Galerien in Grafenau und Stuttgart gut aufgehoben. Die Galerie am Kleinen Schlossplatz ist wie gewohnt von Dienstag bis Donnerstag, 11.00–19.00 Uhr, und samstags 11.00–17.00 Uhr für Sie geöffnet.
Die Galerie in Schloss Dätzingen ist von Mittwoch bis Freitag, 11.00–18.30 Uhr, und samstags 11.00–16.00 Uhr geöffnet. (mehr …)
Acht Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Israel und Österreich widmen sich im Rahmen der diesjährigen Deutsch-Israelischen Literaturtage am 4. und 8. September in Berlin dem Thema Populismus und Polarisierungen.
Unter dem Motto „Lauter, immer lauter?“diskutieren Dov Alfon, Friedrich Ani, Sami Berdugo, Maayan Ben Hagai, Franzobel, Dilek Güngör, Mati Shemoelof und Tijan Sila über mögliche Gründe für das weltweite Erstarken rechtspopulistischer Politiken. (mehr …)
Frédéric Martels Buch „Sodoma, Enquête au coeur du Vatican“ untersucht das massive und massiv beschwiegene Phänomen der Homosexualität in der Katholischen Kirche, das, wie Martel im Gespräch mit Matteo Gemolo in Micromega betont, keineswegs deckungsgleich ist mit dem des sexuellen Missbrauchs – auch wenn das eine mit dem anderen zu tun hat. Das Buch steht in vielen Ländern auf der Bestsellerliste.
In Deutschland erscheint es erst im September (die ZEIT hat gerade einige (!) Passagen vorabgedruckt) & gerade (wie ich am 10. Januar 20 festgestellt habe). feige wieder herausgenommen- „Was in den Augen vieler als Widerspruch erscheint, lässt sich soziologisch leicht erklären„, schreibt Martel, der selbst aus der französischen Schwulenbewegung kommt. „Obwohl dies Buch kein rein akademisches Buch ist, zeigt es, dass, was da im Vatikan passiert, kein Zufall ist. Die Realität ist viel simpler und banaler als die extreme Rechte denkt, die überall Verschwörungen und schwule Lobbys sieht:
Von mir aufgefordert, mich zu beschreiben – zu schreiben, wer ich bin, beginne ich zu straucheln wie ein Tausendfüßler, der erklären soll, wie er seine Gehbewegungen koordiniert.
Wer sich fragt, sage ich mir, wer er sei, der ist ja schon halbwegs neurotisiert; er gerät sich selbst ins Gehege beim Bemühen um eine Antwort.
Verpflichte ich mich hingegen schonungsloser Wahrheitssuche, gerate ich doch dann allzu leicht in Gefahr, mich exhibitionistisch oder auch masochistisch aufzuführen.
Im Juli 1996 wurde in Wien ein Abkommen der deutschsprachigen Staaten unterzeichnet, durch das die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung gemäß einem von einer internationalen Kommission vorgelegten Regelwerk mit Wörterverzeichnis beschlossen wurde, die am 1. August 1998 mit einer Übergangszeit von sieben Jahren in Kraft zu treten hatte. (mehr …)

Hans Kresnik in der GraGa 9 beim Rundschau-Gespräch über seine Biographie, über verkorkste Politik und über die anstehende Uraufführung in Heidelberg. Foto: Gottschling
Hans Kresniks erste eigene Choreographien, die auf Gedichten schizophrener Autoren aus der niederösterreichischen Landesnervenheilanstalt Guggung beruht:
-„O sela pei“ und im folgenden Jahr „Paradies?“ –
lassen den Bremer Intendanten Kurt Hübner auf Kresnik aufmerksam werden, er engagierte ihn als Ballettmeister ans damals spannendste Theater der Republik. Es ist die Zeit des „Bremer Stils“, geprägt von den jungen Regisseuren Zadek, Stein, Grüber, Fassbinder, dem Bühnenbildner Minks – für Hans Kresnik eine enorme Herausforderung. Zehn Jahre bleibt er in Bremen und entwickelt seinen sehr eigenen Stil, den er als „Choreographisches Theater“ bezeichnet. Jedes seiner Stücke ist eine Provokation, schon die Titel lassen das erkennen.
Von der Apo und der Begegnung mit Ernst Bloch geprägt, getreu seinem Motto „Ballett kann kämpfen“, polemisiert er gegen das Wettrüsten („Kriegsanleitung für jedermann“) und den Vietnamkrieg („PIGasUS“), schändet lustvoll das klassische Repertoire („Schwanensee AG“), attackiert den Konsumterror („Traktate“), beklagt die Unmenschlichkeit („Romeo und Julia“) und Gewalttätigkeit von Liebesbeziehungen („Magnet“), verhöhnt die katholische Kirche („Jesus GmbH“).
Die Fachkritik – freute er sich im Gespräch – heult auf, das Publikum ist begeistert. „Zehn Jahre lang“, meinte er nicht ohne Stolz, „war ich das negative Ballettereignis.“
Jon Favreaus Neuverfilmung von „Der König der Löwen“ zeigt den Unterschied zwischen Klassiker und Dutzendware: Grandiose Optik und Einfallsreichtum begeistern: Frühmorgens verhält sich der kleine Löwe wie der kleine Maxi von nebenan. Er weckt seinen Vater und weil dieser nicht sofort aufsteht, hüpft er ihm solange auf der Nase herum bis der Alte sich erhebt, dieser ist tatsächlich schon etwas betagt. Jon Favreau, der 2016 für Disney „Das Dschungelbuch“ neu verfilmte, führte auch Regie beim aktuellen „König der Löwen“.
