Früher mochte ich es noch, rot-schwarze Beeren zu klauen, jetzt schmecken sie fade.

Früher mochte ich es, durch die Fußgänger-Allee zu streifen, jetzt erlebe ich dort zu viele Zonen und Niedergang.

Früher liebte ich es, Straßenbahn zu fahren, dann wurde sie zu voll und jetzt ist sie schon viel zu lange zu leer.

Früher mochte ich es noch, über die Autobahn ins Weite zu pesen, heute ängstigen mich die Treibjagden.

Früher mochte ich es, Neuigkeiten zu erfahren,
heute betreibt man mit mir Infotainment.

Früher war es schön, mit anders Denkenden zu disputieren, jetzt wollen die nicht mehr.

Früher mochte ich es noch, ins Kino zu gehen,
jetzt bleibe ich lieber daheim.

Früher mochte ich es noch zu telefonieren,
jetzt verwirren mich die vielen technischen Optionen.

Früher genoss ich es, Zeitung zu lesen,
aber ich ertrage die Blähungen nicht mehr.

Früher sah ich mir den ein oder anderen Krimi an,
jetzt rinnt das Blut ohne Ende aus dem Flimmerkasten.

Früher hatte ich einen Freund, jetzt den nicht mehr.

Früher aß ich gerne Fleisch, heute denke ich an tierische Schlachtereien.

Früher mochte ich es, im Fluss zu baden,
jetzt beängstigt mich, was im Wasser daher schwimmt.

Früher mochte ich die Schlagerskala, schon seit längerem weiche ich musikalisch nach Italien aus.

Früher mochte ich Frauen ähnlich wie Gabo, jetzt erlebe ich zu viele unwirklich und maskiert.
Doch … manche mag ich noch.

Früher mochte ich es nicht zu gehorchen, das ist geblieben.

Früher liebte ich es zu träumen und ich träume immer noch.

Früher wurde ich immer wieder von Zuversicht gepackt,
das ist weiterhin so.

Früher hatte ich Humor, der ist im Alter gewachsen.

Früher hieß ich Fritz, und so heißt man mich auch heute.

Fritz Feder

Jan. 2021 | Feuilleton, Kurz-Text-Arena | Kommentieren

Dominique Manotti hält mit ihrem Noir „Marseille.73“ jenen Moment in der französischen Geschichte fest, als sich Ressentiment, Macht und Verbrechen zu einer rechtsextremen Bewegung formierten.
Marcello Fois erzählt in seinem Roman „Abschiede“ vom Verschwinden eines Sohnes und dem Sterben eines Vaters.
Im Jahr 1973 waren die Trente glorieuses vorbei, die glorreichen Jahre der französischen Nachkriegsgeschichte, und besonders unschön zeigte sich dies im Sommer jenes Jahres in Grasse, dem malerischen Städtchen der Blumen und der Düfte in der Provence.

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Jan. 2021 | Buchempfehlungen, Feuilleton, Junge Rundschau | Kommentieren

Ob die Neandertaler gesprochen haben, wissen wir nicht. Aber sie haben bereits Farben hergestellt, um Höhlenwände zu bemalen. Am Anfang jedenfalls der Kulturentwicklung von Neandertaler und Homo sapiens steht Farbe.

Farben sind wichtig für unser Wohlbefinden. Wie stark sie aber unsere Weltwahrnehmung und unser Denken prägen, wird häufig unterschätzt, meint der Philosoph Ludger Schwarte.
Er versteht Malen als Form der Erkenntnis.

Farbspuren als Weltaneignung

„Wenn man mal in so einer Höhle war, es gibt recht abstrakte Darstellungen dabei, die sehen aus wie Antennen. Und wenn man sich das anschaut, sieht man, dass diejenigen, die diese Farbspuren aufgebracht haben, damit eine Wirklichkeit gestalten wollten und nicht nur etwas abbilden. Es ist eine Form von Weltaneignung und gleichzeitig Gestaltung.“

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Jan. 2021 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, Junge Rundschau, Senioren | Kommentieren

tno mit den besten Wünschen fürs „NEUE“ und der Abwandlung des WDR-Umweltsau-Songs
durch das „ZDF Magazin Royale“ und den WDR-Kinderchor

Dez. 2020 | Heidelberg, Allgemein, Feuilleton, Gesundheit, In vino veritas, Junge Rundschau, Sapere aude, Senioren, Theater | Kommentieren

Der Weihnachtspop ist in diesem Jahr ziemlich müde, lediglich Chilly Gonzales‘ Album „A Chilly Christmas“ kann uns überzeugen. Wir haben das „Weihnachtskonzert“ des Pianisten hier eingestellt:

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Dez. 2020 | Allgemein, Feuilleton, Junge Rundschau, Senioren | Kommentieren

Was ist das Geheimnis des guten Stils, wie wird aus Sprache Literatur? Dieser Frage geht Michael Maar in seinem Haupt- und Lebenswerk nach, für das er vierzig Jahre lang gelesen hat.

Was ist Manier, was ist Jargon, und in welche Fehlerfallen tappen fast alle? Wie müssen die Elementarteilchen zusammenspielen für den perfekten Prosasatz?
Maar zeigt, wer Dialoge kann und wer nicht, warum Hölderlin über- und Rahel Varnhagen unterschätzt wird, warum ohne die österreichischen Juden ein Kontinent des Stils wegbräche, warum Kafka ein Alien ist und warum nur Heimito von Doderer an Thomas Mann heranreicht.
In fünfzig Porträts, von Goethe bis Gernhardt, von Kleist bis Kronauer, entfaltet er eine Geschichte der deutschen Literatur. (mehr …)

Dez. 2020 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, InfoTicker aktuell, Senioren | Kommentieren

Der kanadischen Autorin Anne Carson eilt großer Ruhm voraus. Sie ist Dichterin und Altphilologin, übersetzt, schreibt Theaterstücke und Essays.
In den letzten Jahren sind in Deutschland mehrere Bücher erschienen. Jetzt hat der S. Fischer Verlag zwei in einem Band vorgelegt: „Rot. Zwei Romane in Versen“. Alles in diesem Buch kreist um das titelgebende Rot. Und um die Figur des Geryon. Geryon nämlich ist dieses Rot: Rot ist sein Leben, rot seine Insel, rot sein Körper und rot ist sein Tod. Doch zuallererst ist Rot die Farbe der Liebe, die Farbe der Wut und die Farbe des stetigen mütterlichen Freudenflusses.

Von Maria, der Freundin seiner Mutter hatte Geryon ein schönes japanisches Notizbuch in fluoreszierendem Umschlag bekommen. Auf den Umschlag schrieb er Autobiographie. Drinnen notierte er die Fakten.

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Dez. 2020 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, Junge Rundschau, Senioren, Schreib-Forum | Kommentieren

Es ist ja nicht nur uns Unheiligen nichts heilig: Auch die vergleichenden Religionswissenschaften machen sich Gedanken, die – geht es etwa um die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria – sich mit jenem Vorkommnis beschäftigen, das eine dem Christentum (seien wir doch mal ehrlich) entfremdete Welt zu Weihnachten feiert und mit dem unsere abendländische Zeitrechnung beginnt.

Keine wertfreie Kalenderweisheit ist es, sondern immerhin die Menschwerdung Gottes, bei der die Geschichte von vorn zu zählen beginnt. In der antiken Mythologie war die Jungfrauengeburt zwar eine alltägliche Sache – aber auch in d(ies)er Realität: Vor Gott Vater gab es Gott Mutter, die Erdgöttin. (mehr …)

Dez. 2020 | Allgemein, Essay, Feuilleton, Gesundheit, In vino veritas, Junge Rundschau, Kirche & Bodenpersonal, Senioren, Theater, Wirtschaft, Zeitgeschehen, Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch | Kommentieren

Die prophetischen Versprechen innerweltlicher Erlösung, die nach dem «Tod Gottes» als Ersatzreligion kursierten, wurden vom Gang der Geschichte noch und noch widerlegt. Nun wissen wir, wie ein Schwarzes Loch aussieht! In einer imposanten weltweiten Kooperation haben Astrophysiker ein Bild generiert, das Radiowellen in Farben und Formen übersetzt. Unsere bildersüchtigen Augen kennen jetzt einen Materiehaufen, der 55 Millionen Lichtjahre entfernt in dem unbegreiflichen Raumzeit-Ding sitzt, das wir «Universum» nennen oder den «Kosmos» oder «Weltall».
Auf einem weniger zeitraubenden Weg, den Max Weber 1917 die «Entzauberung der Welt» genannt hat, sind wir beinahe am Ziel. An die Stelle von Göttern, Dämonen, magischen Vermutungen und Irrtümern sind – halbwegs – gesichertes Wissen und astrophysikalisches Kalkül gerückt. Ein Geheimnis nach dem anderen geht mit der Entzauberung der Welt dahin.

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Dez. 2020 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, Junge Rundschau, Kirche & Bodenpersonal, Sapere aude, Senioren | Kommentieren

•Leitung: Walter Nußbaum
Yann Seweryn (Licht)
Ekkehard Windrich (Tontechnik & Klangregie)
Yann Seweryn, David Nussbaum, Jeremias Nussbaum (Kameras)
Jeremias Nussbaum (Bildschnitt & Regie)
Mias Media (Produktion Video)
Saskia Seufert, Kyra Haywood, Dominique Mayr
(Organisation, KlangForum Heidelberg)

Ein Projekt des KlangForum Heidelberg e.V. –

 – das sich „herzlich bei der Universitätskirche Heidelberg (Peterskirche)  zu bedanken Grund hat und dies hier auch tun möchte –
namentlich bei Julianne Kirchmayer und Mathias Balzer –
für die Unterstützung und die Möglichkeit,
ihr traditionelles Weihnachtskonzert in ihren Räumlichkeiten
auf diese Weise digital stattfinden zu lassen, welchem Sie hier
– am Ende dieses Beitrags –
virtuell beizuwohnen in die Lage versetzt werden.

Sehr gern geben wir auch die Bitte der „KlangForisten“ weiter,  für dieses Weihnachtskonzert einen Spendenbeitrag zugunsten des im Corona-Sommer gegründeten Hilfsfonds
für in Not geratene  Musiker zu leisten.
Die Spendeninformationen des Fördervereins finden Sie
hier.

Weiterhin ist die – ebenfalls zugunsten des Musikerhilfsfonds – produzierte CD erhältlich
„Die Zeit nunmehr vorhanden ist –
Weihnachtliche Vokalmusik in bedrängter Zeit“
.

Hier finden Sie das Programmheft zum Konzert
Werke von Schein, Buxtehude, Dufay, Darmstadt, Schütz u.a.
SCHOLA Heidelberg | aisthesis consort
Leitung | Walter Nußbaum

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Dez. 2020 | Heidelberg, Allgemein, Feuilleton, InfoTicker aktuell, Junge Rundschau, Kirche & Bodenpersonal, Senioren | Kommentieren

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