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Aug. 2021 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, Senioren | Kommentieren

Sergej Lebedew als Spurensucher. Der russische Schriftsteller, 1981 geboren, ist studierter Geologe, der in Mineralien und Erdschichten die Zeichen einer vergessenen Vergangenheit aufspürt. Auch in seinem literarischen Werk steigt er hinab in die nicht selten verborgene und weggesperrte Geschichte seiner Familie und seines Landes, um das aufzuspüren, was Leben formt und prägt, was mitunter kollektive Traumata, Paranoia und Psychosen hervorruft und was sich wie ein Gift in der Gesellschaft über Generationen verbreitet und so Unheil beschwört.
In seinem Debüt Der Himmel auf ihren Schultern (2010) beschäftigte sich Lebedew mit der Geschichte seines Großvaters, der einem Gulag als Kommandant vorgestanden hatte. Mit Menschen im August (2016) stieg er tief hinab in die Verstörungsgeschichte der sowjetisch-russischen Psyche. In Kronos’ Kinder (2018) folgte er den deutschen Wurzeln in seiner Familie und damit der deutsch-sowjetischen Geschichte.So betreibt er seine eigene Vergangenheitsbewältigung, was in einem Land, das vieles tut, um die eigenen Leichen im Keller unter Propagandaschutt zu erdrücken und die Geister mit Mitteln der Angst und der Gewalt zu bändigen, ein politischer Akt der Auflehnung ist. (mehr …)

Aug. 2021 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, Junge Rundschau | Kommentieren

Zu seinem in diesem Jahr 200. Geburtstag möchten wir Ihnen sein fulminantes Plädoyer für den „Genuss des Weins“ näherbringen, Charles Baudelaire, Gründervater der europäischen Moderne, verdankt diesen Titel seiner 1857 erschienenen Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal“ (Die Blumen des Bösen). Wobei das „Mal“ eher etwas wie „widerwärtig, abstoßend, schlecht, krank“ meint als ein viel zu moralisches „Böses“. Kurz nach dem Erscheinen der Sammlung hatte sich Baudelaire einem Prozess wegen „Beleidigung der öffentlichen Moral und der guten Sitten“ zu stellen. Sechs Gedichte aus dem Band wurden verboten – vor allem Verse, die die lesbische Liebe feierten.

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Aug. 2021 | Allgemein, Essay, Feuilleton, In vino veritas, Senioren | Kommentieren

Dominik Graf langt für diese Verfilmung mit beiden Händen ins filmhistorische Archiv und nutzt das riesige Reservoir der Möglichkeiten für einen Avantgardefilm, der wenig mit avantgardistischem Pathos, aber mit der Sinnenfreude des Kinos viel zu tun hat: Das Problem mit der Avantgarde ist ja, dass sie immer so avantgardistisch ist, heißt es an einer Stelle in loser Kästner-Verfilmung „Fabian oder der Gang vor die Hunde“. Was sich in dieser lustvollen Szene – Sommer, Wasser, Leute drin – ausplaudert, ist vielleicht auch die Haltung dieses schönen Films: Was muss die Filmkunst oft so unsinnlich sein? Was müssen das Spiel und Experiment mit den Formen, der Griff ins filmhistorische Archiv oft so ernstelnd ausfallen?

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Aug. 2021 | Allgemein, Feuilleton, InfoTicker aktuell, Junge Rundschau, Film | Kommentieren

Unter dem knappen Vermerk «Bundesrepublik 1946» findet sich in Salcia Landmanns umfänglicher Sammlung jüdischer Witze folgender Eintrag: «Was ist der Unterscheid zwischen einem Saupreiss und einem Saujud? – Saupreiss darf man sagen.» Liest man das heute, hat man den zeitlichen Abstand vor Augen. Vor 75 Jahren konnte man, wenn man denn wollte, so etwas witzig finden, weitererzählen und einem Sammelwerk über die Geschichte des jüdischen Witzes einverleiben. Man musste nicht befürchten, als Juden- oder Preussenhasser blossgestellt, am Ende sogar vor Gericht geschleppt und bestraft zu werden. Heute ist man da längst nicht mehr so sicher. Ein falscher Witz kann böse Folgen haben, weshalb man ihn am besten unterlässt.

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Aug. 2021 | Allgemein, Essay, Feuilleton, Junge Rundschau, Senioren | Kommentieren
Das Karlstorkino Heidelberg veranstaltet vom 12. bis zum 18. August das erste Schaufensterkino zum Thema jüdisches Leben. Ein Dutzend Heidelberger Schaufenster werden in diesem Zeitraum zu einem kleinen Kino, das spontan einlädt im Vorbeilaufen innezuhalten und einen Film zu genießen. Gezeigt werden verschiedene Kurzfilme, die unterschiedliche Facetten jüdischen Lebens in Europa und anderswo erlebbar machen. Informativ, witzig, traurig, alltäglich – das Schaufensterkino lädt ein zum Schauen, zu dem, was Filme über Geschichte und Kultur jüdischen Lebens erzählen können.

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Aug. 2021 | Heidelberg, Feuilleton, InfoTicker aktuell, Junge Rundschau, Film | Kommentieren

Die Mutter ein Reptil von eigenen Gnaden, der Vater ein karibischer „hollow man“ – Jamaica Kincaid geht bei der literarischen Inszenierung ihrer Familiengeschichte eigene Wege.
Aber sie kann auch das Politische: Das beweist das schmale, ihrer Heimat Antigua gewidmete Buch „Nur eine kleine Insel“.

Wir stellen die Schriftstellerin vor und bringen eine Leseprobe aus dem Buch, das am 17. Juni neu aufgelegt wurde. (Jamaica Kincaid, Gotheborg 2019, Foto von Sofie Sigrinn, CC BY-SA 4.0) (mehr …)

Juli 2021 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, Senioren | Kommentieren

Immer für ein Stückchen Maskerade gut. H.C. Artmann

Es dürfte eines der schillerndsten Selbstporträts der neueren Literaturgeschichte sein, das H. C. Artmann 1964 seinem schwedischen Tagebuch voranstellte: „Meine heimat ist Österreich, mein vaterland Europa, mein wohnort Malmö, meine hautfarbe weiß, meine augen blau, mein mut verschieden, meine laune launisch, meine räusche richtig, meine ausdauer stark, meine anliegen sprunghaft, meine sehnsüchte wie die windrose, im handumdrehen verdrossen, ein freund der fröhlichkeit, im grunde traurig …“

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Juni 2021 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, Junge Rundschau, Senioren | Kommentieren

Mesopotamien: Zunächst bestand die Schrift aus Bildsymbolen, später wurde sie abstrakter.

Fragen Sie Alexa, sie weiss – fast – alles. Und wenn Sie sie fragen, weiss sie auch, was Sie wissen wollten. Das kann von Interesse sein, zum Beispiel für den Staat – für den notabene die Corona-Krise ein soziologisches Grossprojekt ist. Auch Tech-Konzerne haben dank ihren Analysewerkzeugen eine hochauflösende Sicht auf die Gesellschaft. Bedroht das die Souveränität? Der Staat hat in seiner Entstehungsgeschichte schon immer «Daten» seiner Bürger gesammelt – in analoger Form. Bereits in Mesopotamien wurden um 3000 v. Chr. Kreditverträge in Keilschrift dokumentiert und von der Tempelverwaltung archiviert – als eine Art amtliches Schuldverzeichnis.

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Juni 2021 | Allgemein, Buchempfehlungen, Feuilleton, Junge Rundschau, Forschung | Kommentieren

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Juni 2021 | Heidelberg, Feuilleton, InfoTicker aktuell, Metropolregion Rhein-Neckar, Rhein-Neckar-Kreis | Kommentieren

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