Joseph Roth schreibt am 30. Januar 1933, der Tag, an dem Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernennt, an Stefan Zweig: „Inzwischen wird Ihnen klar sein, dass wir großen Katastrophen zutreiben. Abgesehen von den privaten – unsere literarische und materielle Existenz ist ja vernichtet – führt das Ganze zum neuen Krieg. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert.“ Am gleichen Tag verlässt Roth Berlin und reist ins Exil.
Die Zeiten sind vorbei, in denen die wohlige Wärme unserer kleinbürgerlich-saturierten Republik Bequemlichkeit und Sicherheit garantierte, die schlicht für selbstverständlich erachtet werden konnten. Das ist keine delphische Weissagung mit entsprechendem Deutungsspielraum, sondern der Kern realer Entwicklungen, die Deutschland bevorstehen. Das Land steht tatsächlich vor einer Zeitenwende. Aber sie betrifft nicht primär neue Politik-Strategien der Regierung, oder einen daraus quellenden Scholz’schen Erkenntnisgewinn, sondern eher die Dekonstruktion unseres Wohlstandes aufgrund fahrlässiger Politik. Wer, wie die deutschen Polit-Eliten, jahrzehntelang Opportunismus in Form von Beschwichtigung betrieb – das sogenannte „Appeasement“ –, um mit Wegschauen und Anbiederung die Frage nach der moralischen Integrität der außenpolitischen Partner nicht stellen zu müssen, hat diese Narrative gern als politische Vernunft verkauft.
Einstein löste diesen Widerspruch auf, indem er die Relativität der Geschwindigkeiten in der klassischen Mechanik so verallgemeinerte, dass die Summe zweier Geschwindigkeiten die Lichtgeschwindigkeit nie übersteigen kann.
In den vergangenen Tagen erreichten Schlagzeilen über eine neue Krankheit Millionen von Menschen: »Affenpocken: Stecken sich Homosexuelle häufiger an?
Auch im SPIEGEL ist zu lesen: »Warum Männer, die Sex mit Männern haben, zu Vorsicht aufgefordert sind«. Auch wenn dahinter zum Teil ausgewogene Berichte stehen, stellt sich die Frage: Warum schaffen es im Jahr 2022 – mitten in einer anderen, noch anhaltenden Pandemie – weiterhin irreführende Informationen und schlimmstenfalls Panikmache auf Bildschirme und Titelseiten?
Nun kommt es also – das lang erwartete scharfe ökonomische Schwert Europas gegen Wladimir Putin: das Öl-Embargo. Die Europäische Union wird künftig auf russisches Öl verzichten und damit auch nicht mehr Russlands Kriegsmaschinerie gegen die Ukraine weiter finanzieren. Jedenfalls nicht damit. So hatte es ja Ursula von der Leyen, die Präsidentin der EU-Kommission, schon vor gut vier Wochen im Europäischen Parlament mit großen Worten angekündigt.
Naja: Nur einmal bringt des Jahres Lauf, uns Herbst und Lerchenlieder. Nur einmal blüht die Rose auf, und dann verwelkt sie wieder; nur einmal gönnt uns das Geschick, so jung zu sein auf Erden:
Hast du versäumt den Augenblick, jung wirst du nie mehr werden. Drum lass von der gemachten Pein, um nie gefühlte Wunden! Der Augenblick ist immer dein, doch rasch entfliehn die Stunden. Und wer als Greis im grauen Haar, vom Schmerz noch nicht genesen, der ist als Jüngling auch fürwahr, nie jung und frisch gewesen. Nur einmal blüht die Jugendzeit, und ist so bald entschwunden; und, wer nur lebt vergangnem Leid, wird nimmermehr gesunden.
(Richard von Wilpert 1862-1918)
Es ist doch der Tod im Westen das Entsetzlichste, derweil es aber im Osten Leben bedeutet. Im Westen muss man sterben (das ist der Lohn der Sünde), und im Osten muss man immer wiedergeboren werden (das ist die Strafe für begangenes Unrecht). „Erlösung“ im Westen ist Überwindung des Todes, im Osten ist es die Überwindung des Wiedergeboren-werdens. Christus verspricht das ewige Leben, während Buddha mit der Befreiung vom Leben tröstet, von jedenfalls diesem Leben hienieden, das er als Leiden erkannt hat.
Die Theorie: Recht ist im Rechtsstaat nicht käuflich.
Die Praxis: Mittellose Straftäter trifft die Härte der Justiz gnadenloser als Wohlhabende.
Der Jurist und Journalist Ronen Steinke hat ein Buch über die Schwächen unseres Justizsystems geschrieben.
Er ist promovierter Jurist und Redakteur für Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung, zudem ist er einer der profiliertesten Justiz-Beobachter der Bundesrepublik.
Ronen Steinke im Bespräch:
Leben wir etwa nicht in einem Rechtsstaat, in dem alle Bürger vor Gericht die gleichen Rechte haben?
Geht es nach dem Willen der Ampelparteien, könnte Cannabis in Deutschland schon bald legal werden. Doch was sollte man bei der Legalisierung beachten? Welche Folgen sind zu erwarten? Und wie wirkt sich der steigende THC-Gehalt in Cannabisprodukten dabei aus?
Ein Gespräch mit der promovierten Psychologin Eva Hoch, die seit fast 20 Jahren die psychischen, körperlichen und sozialen Auswirkungen des Cannabiskonsums untersucht. Welche Chancen und Risiken sieht sie in der geplanten Legalisierung?

