Eine Gruppe von Intellektuellen will die Kritik an der Pandemie-Politik nicht selbst ernannten „Querdenkern“  (wie mehrfach erwähnt – bei uns heißen solchene: „Querlinge“) überlassen. In ihrem „Manifest der offenen Gesellschaft“ plädiert sie für eine Debatte „auf Augenhöhe“. Eine Gruppe von Wissenschaftlern, Künstlern und Politikern findet – zum Beispiel – die Debatte über die Corona-Politik schade dem sozialen Frieden und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Die Gruppe hat jetzt ihr Manifest veröffentlicht.

Einer der Initiatoren ist der Historiker René Schlott. Seiner Meinung nach fehlt in der Diskussion ein „Dialog auf Augenhöhe“, in dem die „Kraft des besseren Argumentes“ gilt und meint, Kritiker der aktuellen deutschen Corona-Politik würden in die rechte Ecke gedrängt und ihre berechtigten Argumente würden hat sich nicht mehr zählen.

Vergiftete Diskussionskultur

Gefühle statt Argumente?

Die Gruppe um Schlott sieht zwei verfeindete Lager. Auf der einen Seite gebe es die Corona-Leugner und „Covidioten“, auf der anderen Seite Leute, die bedingungslos die Lockdown-Politik befürworten. Jedoch müsse es statt Streit und Polarisierung eine offene Debattenkultur geben, die Menschen zusammenbringt und den Austausch fördert.
Nach Schlotts Einschätzung ist die Diskussionskultur vergiftet. Ein Beweis sei zum Beispiel, dass die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot (dlf): für ihre Kritik an der Lockdown-Politik der Bundesregierung Morddrohungen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bekommt. Sie sei damit nicht die Einzige.
Es gibt eine Krise der Debattenkultur, der politischen Kultur,
der Parteipolitik und der Pandemie-Politik“, meint Schlott.

Gesellschaftliche Gräben überwinden

Schlott vertritt die Meinung, die Zahl der Menschen steige, die in der Coronakrise mit den Entscheidungen des Bundeskabinetts unzufrieden sind. Außerdem lasse sich Merkel von den immer gleichen Leuten beraten. Deshalb ändere sich auch ihre Politik nicht. So sollten nicht nur Naturwissenschaftler an den Beratungen teilnehmen, sondern auch Wissenschaftler aus anderen Fachgebieten.

Um die derzeitige Krise zu lösen, sei es sogar sinnvoll, dass das Parlament für eine begrenzte Zeit eine Regierung aus Experten wählt – fernab von parteipolitischen Machtspielen und Abhängigkeiten. Das sei nach jedenfalls demokratischen Prinzipien möglich.

Diese Expertenregierung könne möglicherweise die gesellschaftlichen Gräben überwinden, die derzeitige Lage jedenfalls sehe nicht gut aus. „Was wir heute ja gesehen haben ist, dass diese Lockdown-Politik tatsächlich heute vor die Wand gefahren ist“, so Schlott. Ein Umdenken müsse schnell geschehen. nzz

Aug. 2021 | Allgemein, Essay, Feuilleton, In vino veritas, Junge Rundschau, Politik, Senioren | Kommentieren