Liebe Freunde der Pressefreiheit, 

„welcome to a journey you’ve never imagined” – mit diesen Worten wirbt die staatliche Tourismusagentur Saudi-Arabiens um Gäste. Saudi-Arabien ist ein Land mit reicher Geschichte, dramatischen Wüstenlandschaften und gastfreundlichen Menschen.

 

Aber es ist auch ein Land, dessen Herrscher Journalisten gängeln, sie mit Spyware überwachen und für einen einzigen Tweet jahrzehntelang wegsperren. 26 Medienschaffende sitzen derzeit in Saudi-Arabien im Gefängnis, manche von ihnen werden gefoltert.

Willkommen auf einer Reise, die Sie sich nie vorstellen möchten:

Angesichts des Schicksals der Inhaftierten wirkt der Werbeslogan der Tourismusbehörde wie Hohn, und erst recht angesichts der brutalen Ermordung Jamal Khashoggis. Der Journalist wollte auf einer Reise nach Istanbul seine Scheidungspapiere aus dem saudischen Konsulat abholen. Er wurde ein zweites Mal einbestellt, von einem Killerkommando ermordet, seine Leiche zerstückelt. Das war im Oktober 2018. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat Kronprinz Mohammed bin Salman, genannt MBS, den Mord persönlich gebilligt.

In der Folge hat die internationale Gemeinschaft das Königshaus zurecht politisch isoliert. Nun jedoch kehren selbst demokratische Regierungen wieder zum Alltagsgeschäft zurück. Im Juni hat MBS Emmanuel Macron und Joe Biden getroffen, an diesem Wochenende wird auch Bundeskanzler Scholz dem mutmaßlichen Auftraggeber eines der schockierendsten Journalistenmorde der vergangenen Jahre seine Aufwartung machen.

Bis heute, vier Jahre später, sind wir von Gerechtigkeit weit entfernt. Gerichtsverhandlungen in Istanbul und Riad waren nicht mehr als Schauprozesse.
Wir haben im vergangenen Jahr beim deutschen Generalbundesanwalt Strafanzeige gegen den Kronprinzen sowie weitere Verdächtige eingereicht. In der Klage haben wir detailliert dargelegt, wie die saudische Regierung ein politisches System errichtet hat, das Medienschaffende strategisch verfolgt und damit Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht. 

„Welcome to a journey you’ve never imagined”: Wir haben den wohlklingenden Werbeslogan der Tourismusbehörde gekapert, um auf die Repressionen in Saudi-Arabien aufmerksam zu machen.

Unsere diese Anzeigenkampagne wird Ihnen, liebe Freunde der Pressefreiheit, in den kommenden Wochen in Zeitungen, auf Plakaten und online begegnen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die
Gräueltaten der saudischen Regierung nicht vergessen werden.

Diesen Beitrag haben wir entgendert – und so dann von „Reporter ohne Grenzen“  übernommen.

Sep. 2022 | Allgemein, Feuilleton, In vino veritas, Politik, Sapere aude, Zeitgeschehen | Kommentieren