Wenn von Omega die Rede ist, werden Wetterexperten nervös. Eigentlich steht der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets für das Ende, doch Meteorologen meinen damit eine Wetterlage, die nicht enden mag. Weil sie dem Buchstaben optisch ähnelt, bezeichnen die Experten die spezielle Konstellation von Hoch- und Tiefdruckgebieten als Omega-Wetterlage. Und die hat es in sich: Omegalagen sind besonders stabil und daher gefürchtet. Über Mitteleuropa bläht sich dann ein gewaltiges Hochdruckgebiet auf, flankiert von zwei Tiefdruckgebieten über dem Nordatlantik und Osteuropa. Insofern steht die Omegalage unter Meteorologen für hohe Beständigkeit: Je länger sie anhält, desto extremer wird das Wetter.
Jetzt kündigt sich erneut eine solche Wetterlage an. Am Wochenende steigt der Luftdruck über Mitteleuropa und Skandinavien, sehr warme Luft aus dem Süden strömt auf den Kontinent. »Es sieht sehr nach einer Omegalage aus«, sagt Meteorologin Jacqueline Kernn vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach, allerdings sei unklar, wie lange sich das Omega dieses Mal behaupten werde, das Tief über Osteuropa schwächle etwas. Denn alles hängt davon ab, ob die flankierenden Tiefdruckgebiete das Hoch in der Mitte unterstützen, dann werde das Omega von der Strömung aufrechterhalten. »Normalerweise halten solche Lagen aber gut und gerne drei Wochen«, sagt sie. Im Glutsommer 2003 setzte sich das Hoch Michaela sogar noch länger fest. Damals sprach das halbe Land über das berüchtigte Omega, das im Süden fast den ganzen Sommer dominierte.
Die Folgen der aktuellen Wetterlage lassen sich jetzt schon auf den Wetter-Apps erkennen. Bis weit in die nächste Woche hinein sagen die Modelle frühsommerliche Werte und viel Sonne voraus, mancherorts könnte es tagelang sogar erstmals heiß werden. Große Hitze, wie sie Anfang der Woche noch von einigen Modellen berechnet wurde, ist allerdings unwahrscheinlich. Dafür ist bis auf Weiteres in weiten Teilen des Landes kein Regen in Sicht. Damit spitzt sich die Trockenheit im Osten und Norden weiter zu, allenfalls zum Wochenanfang könnte ein kleines Randtief ein paar Schauer und Gewitter übers Land ziehen lassen. Nach größeren Regenmengen sieht es vorerst aber nicht aus.