Fest jedenfalls steht, dass Putin immer mehr unter Druck gerät. Die Invasion in der Ukraine ist mit viel höheren Kosten verbunden, als Russland offenbar eingerechnet hatte. Es gibt mehr tote russische Soldaten, mehr zerstörtes militärisches Gerät, scharfe Sanktionen und es ist auch noch keine Strategie in Sicht, wie Russland die Ukraine kontrollieren will, selbst wenn die Eroberung irgendwann erfolgreich sein sollte.
Trotz alledem finden in der Ukraine weiterhin schwere Kämpfe statt, die Zivilbevölkerung leidet unter dem russischen Bombenhagel.
Russland hat angekündigt, die ukrainische Regierung nicht stürzen zu wollen, womit sich der Kreml einen Weg zu offiziellen Gesprächen auf Ministerebene zu begeben versucht. Zuvor war immer gesagt worden, dass die ukrainische Regierung kein Ansprechpartner wäre – Putin rückt also mittlerweile von einer seiner Maximalforderungen abrückt.
Putin hat sich den Realitäten in der Ukraine ergeben
Was fraglos einen wichtigen Schritt zu gehen bedeutet, jedoch muss abgewartet werden, ob und wie weitere Gespräche in der Substanz laufen – viele Schweinereien passieren im Detail.
Mittlerweile diskutiert man wahrscheinlich in Moskau, unrealistische Kriegsziele – etwa eine Einnahme der ganzen Ukraine – eher runter zuschrauben. Man wollte eine Marionettenregierung einsetzen, aber selbst die Opposition in der Ukraine hat den Krieg verurteilt. Die Amerikaner haben im Irak immerhin die Kurden und schiitische Gruppen gehabt, die ihnen zugejubelt haben, die Russen aber haben in der Ukraine keine Klaqueure. Mit wem sollten sie mithin das Land beherrschen?
Stattdessen protestiert auch die ukrainische Zivilbevölkerung vernehmlich und wider eine russische Herrschaft. In Cherson und anderen Gebieten mehren sich die Berichte, dass der russische Geheimdienst FSB die Organisatoren der Demonstrationen verhaften und erschießen lässt. Aber das wird die Menschen auch nicht ruhiger stimmen. Man kann den Terror bis zum Äußersten treiben, aber dann herrscht Putin über einen Friedhof.