Wenn Donald heute den Mund öffnet, kommen überwiegend korrekte Sätze heraus. The Washington Times / Imago

Die jüngsten «Donald Duck»-Ausgaben sind sprachlich bereinigt worden. Doch damit sind längst nicht alle Rassismusprobleme behoben, die sich in der Welt der Vögel stellen. Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist? Damit ist es definitiv vorbei, das merken zurzeit besonders die Vögel. In Entenhausen ist kürzlich die gendersche Sprachpolizei durchmarschiert und hat nicht nur unbedachtes Gerede der Tiere auf korrekte Linie gebracht:
Seit letztem Dezember sind in der neuen deutschen Ausgabe der „Lustigen Taschenbuch Donald Duck – Classic Edition“ einige Veränderungen gegenüber der Originalübersetzung von Erika Fuchs zu bemerken.

Zunächst ist in Band 10 der zu starker Adipositas neigende Fridolin Freudenfett unter neuem Namen aufgetreten – das runde Schwein heisst nunmehr Fridolin Freundlich. Richtig dick kam es dann aber erst in Band 12, der im letzten April erschien. Hier sind «Wilde» und «Indianer» genauso ausgemerzt worden wie «Bleichgesichter» und «Zwerge», und selbstverständlich dürfen die Enten bei Ausflügen in die Fremde auch nicht mehr mit «Eingeborenen» in Kontakt kommen, sondern nur noch auf «Ortskundige» oder «Anwohner» treffen.

Solche Ersetzungen sind weder Kleinigkeiten, denn sie drohen zuweilen den Sinn zu entstellen, noch handelt es sich um Einzelfälle, wie jüngst die «FAZ» darlegte: Insgesamt einhundertneun geänderte Passagen hat ein Wiener Literaturwissenschafter in einer akribischen Analyse des zwölften Bandes gezählt.

Überboten wird diese Akribie aber noch von ganz anderen Vogelforschern: Vor Jahresfrist haben zwei amerikanische Ornithologen einhundertfünfzig Vögel identifiziert, deren Namen an «problematische» Persönlichkeiten erinnern. Daraufhin hat das Inklusions- und Diversitätskomitee der amerikanischen ornithologischen Gesellschaft die Frage vertieft; im April hat ein Seminar zum Thema stattgefunden, 2022 sollen umfassende Neubenennungsvorschläge vorliegen.

Und bereits ist auch ein Vogel umgetauft worden: Der McCown-Langsporn, der nach einem General der Konföderierten benannt worden war, fliegt jetzt als Dickschnabeliger Langsporn durch die Lüfte. Ob er wie Fridolin Freudenfett unter dem verbalen Fingerzeig auf seine Körpermasse leidet, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen.

Und die Hottentottenente?

Da die grossen Probleme der Gegenwart global angegangen werden müssen, macht man sich auch im deutschsprachigen Raum Gedanken über inkorrekte Vogelnamen. Besonders verpönt ist in gewissen Kreisen die Hottentottenente, die an die herablassende Haltung der Kolonisatoren gemahne.

Auch das niedlich klingende Hottentottenlaufhühnchen trägt diesen Überlegenheitsanspruch im Namen, und überhaupt lauert bei den Vögeln die Absturzgefahr an allen Orten: Zigeunerhühner, Mandarinenten, Mohrenschwarzkehlchen, die Probleme nehmen kein Ende. Bei dem Hickhack, das um sie entsteht, möchte man die Tiere echte Pechvögel nennen – aber genau besehen hat ja auch dieses Wort keine weisse Weste, und so hält man wohl besser den Schnabel.

Juni 2021 | Allgemein, Essay, In vino veritas, Junge Rundschau, Sapere aude, Senioren, Wissenschaft, Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch | Kommentieren