Der eine macht es unter der Dusche, der andere in aller Öffentlichkeit auf einer Bühne, (die Meisen singen egal wo) und wieder andere machen es in der Gruppe: Die Rede ist vom Singen. Jeder hat schon mal gesungen, Singen scheint in der Natur des Menschen zu liegen. Aber warum fingen die Menschen einst an zu singen? Viele Wissenschaftler, Philosophen und andere kluge Köpfe haben schon über dieser Frage gebrütet. Trotzdem sind sich die Forscher bis heute uneins und haben keine eindeutige Antwort. Die AWO auch nicht – da wird einfach gesungen – die Einladung dazu finden Sie am Ende dieses Beitrages.
W i r stellen erst einmal einige der Theorien zum Ursprung des Singens vor:
Bereits in der Antike wurden Theorien über die Entstehung gesungener und gesprochener Laute des Menschen aufgestellt. Auch der griechische Philosoph Platon (427 bis 347 vor Christus) entwickelte hierzu eine These: Er vertrat die Meinung, dass es Gefühle wie Aggression oder das Bedürfnis nach sozialer Harmonie seien, die den Menschen zum Singen bringen.
Singen vertreibt Raubtiere
Sicher ist, dass Gesang bereits in den frühen Stunden der Menschheit eine zentrale Rolle spielte: zur Abschreckung von Raubtieren, im Wettbewerb innerhalb der Art und für die Stärkung des Zusammenhalts in der Gesellschaft mit den Mitmenschen – zum Beispiel wenn man arbeitete oder gemeinsam ums Lagerfeuer saß.
Auch heute noch spielt Singen diese zentrale Rolle. Nicht ohne Grund gibt es selbst in kleinen Städten und Gemeinden oftmals verschiedene Chorgruppen, in denen sich Menschen zusammenfinden, um gemeinsam zu singen. Gemeinsames Singen macht eben einfach Spaß!
Singen zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls
Der US-amerikanische Musikforscher David Huron von der Ohio State University ist der Meinung, dass der Mensch überhaupt erst aus sozialen Gründen mit dem Singen begonnen hat. Der Mensch sei besonders stark auf soziale Beziehungen angewiesen und möchte sich einer Gruppe zugehörig fühlen. Huron zufolge ist Musik wahrscheinlich entstanden, um den Zusammenhalt einer Gruppe zu fördern. Diese Theorie untermauert Huron mit dem Beispiel der noch heute am Amazonas lebenden brasilianischen Mekranoti-Indianer. Diese Indianer sind Jäger und Sammler. Gesang ist fester Bestandteil ihres Alltags. Jeden Morgen und Abend singen die Frauen ein bis zwei Stunden, die Männer beginnen damit sogar schon morgens um halb fünf. Über ihren Gesang definieren sich die Mekranoti als Gruppe.
Vom Vogel zum Mensch – die Evolution des Gesangs
Der Evolutionsforscher Charles Darwin (1809-1882) nahm an, dass die Entstehung des Gesangs auf die Werbungsrufe der Vögel während der Paarungszeit zurückgeht. Er beobachtete, dass bei den Vögeln die guten Sänger gegenüber ihren weniger begabten Artgenossen deutliche Vorteile bei der Partnerwahl hatten. Er vermutete daraufhin, dass es bei den frühen Menschen ähnlich gewesen sein musste. Darwin zufolge haben die urzeitlichen männlichen Menschen somit angefangen zu singen, um besser bei ihren Frauen anzukommen und folglich die Fortpflanzung zu sichern – und das alles, noch bevor sie überhaupt zu sprechen begannen.
Vom Sprechen zum Singen
Dieser Theorie von Darwin hielt der Philosoph und Psychologe Carl Stumpf (1848 bis 1936) entgegen, dass die ältesten bekannten Gesänge, nämlich die der Ur- und Naturvölker, nur selten Liebeslieder, sondern meist kriegerische, heilende oder religiöse Gesänge gewesen seien.
Auch war Stumpf im Gegensatz zu Darwin der Auffassung, dass der Gesang aus den melodischen Bewegungen der Sprache entstanden sei und dass die Menschen somit bereits sprachen, bevor sie anfingen zu singen. Stumpf nahm an, dass das Verweilen auf einem Ton beim Sprechen einst der erste Schritt zum Gesang gewesen sei.
Der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), der Dichter Johann Gottfried Herder (1744-1803), der Schriftsteller Friedrich Melchior Grimm (1723-1807) und der englische Soziologe Herbert Spencer (1820-1903) waren der Überzeugung, dass das Singen überhaupt erst aus der Wortsprache entstehen konnte. Rousseau beispielsweise glaubte, dass sich der menschliche Gesang aus leidenschaftlichem, erregtem Sprechen entwickelt habe.
Was war zuerst da …?
Es zeigt sich, dass es bei der Frage nach dem Zusammenhang von Gesang und Sprache bis heute ähnlich zugeht wie bei der Frage, was zuerst da war: das Ei oder das Huhn. Was existierte also zuerst, die Wortsprache oder der Gesang? In der Forschung nach den Anfängen des Gesangs gibt es Theorien, die davon ausgehen, dass der Mensch erst gesungen hat, bevor er überhaupt begann, durch Wortsprache mit seinen Artgenossen zu kommunizieren. Andere Forschungsansätze gehen jedoch genau vom Gegenteil aus, nämlich dass der Gesang überhaupt erst aus der Sprache entstehen konnte.
Wie genau auch immer das nun wirklich gewesen sein mag –
die AWO gibt zwar keine Antwort auf all diese Fragen.
Da wird einfach gesungen:
Zum sechsten und vorerst letzten Mal lädt die AWO Rhein-Neckar e.V. zum Mitsingkonzert ein. Ziel des inklusiven Projektes ist es, Begegnung zu ermöglichen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Im Mittelpunkt steht dabei die Freude an der Musik und die Verbindung, die durch das gemeinsame Singen entsteht.
Beginn ist um 18:30 Uhr, Ort ist das Gebäude der AWO Rhein-Neckar e. V. in der Burggasse 23 in Weinheim.
Erklingen werden Lieder und Kanons aus aller Welt. Katharina Messner und Janne Richter leiten den Gesang an und begleiten mit Harfe, Klavier und Gitarre, Anna Hansen verzaubert am Cello. Außer der Lust am Singen ist nichts mitzubringen und auch Vorkenntnisse sind nicht notwendig.
Durch kooperierende Chöre fällt das Mitsingen leicht, da man sich einfach „dranhängen“ kann. Das Projekt wird durch die Aktion Mensch gefördert.
Der Eintritt ist frei, eine Spendenbox wird bereit stehen. Um eine Anmeldung wird gebeten.