Schmutzkampagnen und Ignoranz: NY Times wirft Facebook vor, im Umgang mit Skandalen versagt zu haben
Die New York Times widmet sich in einem großen Enthüllungsbericht dem Umgang Facebooks mit dem Datenskandal sowie der Beeinflussung von Wahlen. Der Beitrag offenbart, wie leichtfertig der Konzern erste Hinweise auf die Krise genommen hat – und wirft Facebook vor, über eine PR-Firma Gegner diffamiert zu haben. Diese Story dürfte in den kommenden Wochen für Gesprächsstoff sorgen: Die NYT zeichnet in einem aktuellen Bericht das Verhalten Facebooks während der vergangenen Krisen nach. Das Unternehmen um Mark Zuckerberg war in den vergangenen Jahren unter anderem wegen einer vermeintlichen russischen Einflussnahme beim Trump-Wahlkampf in die Kritik geraten. Auch der Skandal um Trumps Wahlkampf-Firma Cambridge Analytica belastet den blauen Riesen sehr.
Das soziale Netzwerk widerspricht den Anschuldigungen: “Die ‘New York Times’ liegt falsch mit der Behauptung, dass wir jemals Definers darum gebeten oder bezahlt haben”, schreibt Facebook in seinem Blog. Trotzdem zieht das Unternehmen Konsequenzen: Mittlerweile soll die PR-Firma keine Aufträge mehr erhalten.
Warnzeichen ignoriert
Die NYT wirft Facebook zudem vor, Warnzeichen auf den Datenmissbrauch und die russische Einflussnahme bewusst ignoriert zu haben. Ein Sicherheitsexperte des Unternehmens habe schon im Frühjahr 2016 Anzeichen auf russische Hacker entdeckt. Die beiden Facebook-Chefs Zuckerberg und Sandberg spielten die Indizien aber herunter. Insbesondere Zuckerberg sei zu Beginn der Affäre überhaupt nicht an internen Diskussion beteiligt gewesen – er habe sich stattdessen mit öffentlichkeitswirksamen Dingen wie einer Zuhör-Tour durchs Land beschäftigt.
Eine andere Geschichte der NYT soll zeigen, wie wütend Zuckerberg auf Konkurrent Apple ist: Weil Apple-Chef Tim Cook wiederholt öffentlich Kritik am Datenmissbrauch Facebooks äußerte, soll Zuckerberg seine Manager verpflichtet haben, künftig nur noch Android-Smartphones zu verwenden. Gegenüber den Mitarbeitern begründete der Facebook-Chef den Schritt damit, dass es deutlich mehr Android-Handy als iPhones gebe.
Unzufriedenheit im Unternehmen
Die NYT zeichnet das Bild einer Führung, die ihr Unternehmen nicht mehr im Griff hat – und sich vor allen anderen für die Fehler während des Skandals zu rechtfertigen hat. Facebook widerspricht dem Enthüllungsbericht in seinem Blog vehement. Demnach wusste der Konzern, wie Zuckerberg auch während einer Anhörung vor dem Kongress erzählt hat, erst nach der Wahl von der Einflussnahme vermeintlich russischer Trolle – und nicht, wie es im Bericht heißt, schon im Frühjahr. Auch die anderen Anschuldigungen seien inkorrekt.
Dennoch hat Facebooks Image Kratzer bekommen – auch intern. Glaubten vor mehr als einem Jahr noch 80 Prozent der Mitarbeiter an eine positive Entwicklung des Sozialen Netzwerkes, lag dieser Wert vor Kurzem bei 50 Prozent, wie das Wall Street Journal aus einer Umfrage zitiert. Auch an der Börse sieht es nicht gut aus. Der Kurs der Facebook-Aktie ist seit Ende Juli um 30 Prozent eingebrochen.