Wenn Zollbeamte auf die Baustelle kommen, werden sie oft fündig

Schwarzarbeit und Lohn-Prellerei auf der Spur: Beamte des Zolls sollen die
41 Bauunternehmen in Heidelberg noch häufiger auf illegale Machenschaften
überprüfen. Das hat die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit Blick auf neue Zahlen des Bundesfinanzministeriums gefordert. Danach deckten Kontrolleure bei Firmen im Bereich des Hauptzollamts Karlsruhe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Schaden von 18,6 Millionen Euro wegen nicht gezahlter Steuern und Sozialabgaben auf. Ein Großteil des Betrugs betraf das Baugewerbe: Allein in der Baubranche entgingen dem Staat 12,1 Millionen Euro.Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestags-abgeordneten Beate Müller-Gemmeke (Grüne) hervor. Für Wolfgang Kreis von der IG BAU Nordbaden steht fest: „Die Bauwirtschaft bleibt imBranchenvergleich ein Hotspot krimineller Energie.“ Insbesondere Beschäftigte aus Osteuropa würden häufig um den Lohn gebracht, der ihnen zustehe. Am Ende komme das den Steuerzahler teuer zu stehen. „Bei Schwarzarbeit und Mindestlohnverstößengeht dem Staat richtig Geld verloren: Steuern und Sozialabgaben – also Beiträge, die der Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung fehlen“, macht Kreis deutlich.

Schwarze Schafe gebe es immer wieder. Die Zöllner müssten daher auch Baustellen in Heidelberg stärker in den Blick nehmen, so der Gewerkschafter. Die IG BAU fordert bundesweit mindestens 10.000 Beamte für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll. Zuletzt hatte die Einheit lediglich rund 7.200 Mitarbeiter.
Nach Angaben des Finanzministeriums kontrollierte das Hauptzollamt Karlsruhe in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich im ersten Halbjahr insgesamt 935 Arbeitgeber – 13 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Unter ihnen waren 276 Baufirmen. In deren Branche verhängten die Zöllner Bußgelder in Höhe von 49.000 Euro und leiteten 24 Ermittlungsverfahren ein.

Nov. 2018 | Heidelberg, Politik, Wirtschaft, Metropolregion Rhein-Neckar | Kommentieren