Am 02. Juli feiert die Bühnenfassung von Hermann Hesses berühmten Roman „Der Steppenwolf“ die letzte Premiere in dieser Spielzeit im Marguerre-Saal. Die Regie liegt in den Händen von Bernadette Sonnenbichler, die bereits an zahlreichen großen Häusern arbeitete und nun ihr Heidelberg-Debüt gibt. Anlässlich dieser Premiere widmet sich die neue „Lesezeit“ Hesses letztem und umfangreichstem Roman: „Das Glasperlenspiel“.
Erzählt wird die Geschichte der Ordensprovinz Kastilien, in welcher das Glasperlenspiel die vollkommene Verknüpfung von Künsten und Wissenschaften darstellt. Hesses poetische Sprache nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise in eine utopische Welt der Humanität und der geistigen Freiheit.
Im Glasperlenspiel vereinigen sich die Schönheit der Kunst und die Exaktheit vieler wissenschaftlicher Disziplinen. Es handelt sich weder um eine Philosophie noch eine Religion. Im Charakter ähnelt das Glasperlenspiel am ehesten der Kunst. Theoretisch ließe sich mit diesem Instrument der ganze geistige Weltinhalt reproduzieren. Alles Wissen der Welt wurde symmetrisch und synoptisch auf ein Zentrum hin geordnet und zusammengefasst. Auf diese Weise existieren die Wissenschaften nicht mehr nebeneinander, sondern sie greifen ineinander. Jedes Symbol und jede Kombination von Symbolen zielt „ins Zentrum, ins Geheimnis und Innerste der Welt, in das Urwissen“. „Das Glasperlenspiel ist also ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur, es spielt mit ihnen, wie etwa in den Blütezeiten der Künste ein Maler mit den Farben seiner Palette gespielt haben mag.“
Alle, die nicht mehr bis zur Premiere warten möchten, haben bereits am 29. Juni um 16.30 Uhr damit die Gelegenheit, sich gemeinsam mit dem (Foto: Susanne Reichardt): Schauspieler Massoud Baygan dem Werk Hesses zu beschäftigen. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses von den Nationalsozialisten als volksfeindlich erklärt. U. a. wurde „Unterm Rad“, „Der Steppenwolf“ sowie „Betrachtungen“ verboten. Peter Suhrkamp, der Hesses Verleger war, wurde 1944 sogar verhaftet. Der Autor stand mutig zu seinen Arbeiten. Er schrieb weiter regimekritische Texte, die nach dem Krieg auch veröffentlicht wurden.
Herrmann Hesse, der am 02. Juli 1877 geboren wurde und am 09. August 1962 verstorben ist, würde in diesem Jahr seinen 140. Geburtstag begehen und hätte seinen 55. Todestag.
Donnerstag, 29. Juni um 16.30 Uhr, Stadtbücherei Heidelberg – Eintritt wie immer frei