probenfoto_steppenwolfDie Spielzeit 2016|17 nähert sich auf den Heidelberger Bühnen in der Stadt mählich dem Ende. Ehe die Sparten endgültig zu den „Heidelberger Schlossfestspielen“ über die Dächer der Stadt ziehen, gilt es allerdings noch eine letzte Premiere in dieser Theatersaison im Marguerre-Saal zu erleben.
Die Mitglieder des Schauspielensembles (Probenfoto Annemone Taake: Marco Albrecht, Sheila Eckhardt, Fabian Oehl) präsentieren die Bühnenfassung von „Der Steppenwolf“ nach Hermann Hesse, die Joachim Lux für die Bühne einrichtete. Diese Fassung kam am Wiener Burgtheater zur Uraufführung. Der Roman erschien bereits 1927. 1974 erfuhr er eine Verfilmung.

Aber auch moderne Musiker befassten sich mit dem Stoff, so u. a. die Gruppe „Hawkwind“, Peter Maffay oder auch die „Böhsen Onkelz“. Die Gruppe „Steppenwolf benannte sich sogar nach der Originalvorlage.

Hermann Hesse wurde am 02. Juli 1877 in Calw / Württemberg geboren und starb am 09. August 1962 in Montagnola (Nähe Luzern). Er zählt zu den bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Tod wurden seine Arbeiten nahezu weltweit verbreitet. Inzwischen sind die über 150 Millionen Exemplare seines Werkes in 70 Sprachen übersetzt worden. Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen wurde 1946 Hesse mit dem Nobelpreis für Literatur gewürdigt. Er erhielt die Ehrendoktorwürde und 1955 ging der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an ihn.Autor und Hauptfigur des „Steppenwolf“ befanden sich in einer tiefen Krise. Beide wollten sich an ihrem 50. Geburtstag das Leben nehmen. Harry Haller ist der ‚Steppenwolf‘. Er ist zerrissen zwischen seiner bürgerlichen und angepassten Seite und der animalischen, unangepassten, kultur- und sozialkritischen Seite, die ihn zum einsamen Wolf macht.

Die zwei Seelen in seiner Brust sind für ihn nicht zwei Ausprägungen eines Charakters, sondern zerreißen seine Persönlichkeit tief im Inneren. In einer Stadt, wo er niemanden kennt, will er sich für einige Monate zurückziehen. Der Aufenthalt wird zu einer inneren Suche, zu einem Trip, zu einem verzweifelten Versuch, die sich abstoßenden Seiten aneinanderzukitten. Von den Selbstmordgedanken getrieben, trifft er in einem Tanzlokal auf die junge Prostituierte Hermine, die eine merkwürdige Erinnerung an seinen Jugendfreund Herrmann auslöst. Immer weiter ziehen ihn die Gestalten der Nachtwelt an und eines Abends steckt ihm ein Unbekannter einen Zettel zu: „Heut Nacht von vier Uhr an magisches Theater – nur für Verrückte – Eintritt kostet den Verstand. Nicht für jedermann. Hermine ist in der Hölle.“

Mit dem inzwischen 90-jährigen ‚Steppenwolf‘ gibt die Regisseurin Bernadette Sonnenbichler ihr Heidelberg-Debüt, es ist auch ihre erste Arbeit in Baden-Württemberg. Bisher inszenierte sie u. a. am Schauspiel Frankfurt, am Staatstheater Nürnberg und als Hausregisseurin am Düsseldorfer Schauspielhaus. Sie studierte Regie am Max Reinhardt Seminar in Wien. Anschließend assistierte sie am Schauspielhaus Graz, wo erste eigene Inszenierungen entstanden. Seit 2008 arbeitet sie als freie Regisseurin, u. a. am Schauspielhaus Wien, am Schauspielhaus Graz und am Theater Aachen. Ihre Inszenierung von „Das Himbeerreich“ am Theater Aachen wurde 2014 zum NRW Theatertreffen eingeladen. Sie inszeniert auch Hörspiele, wofür sie mehrfach ausgezeichnet wurde, u. a. 2008 mit dem Deutschen Hörbuchpreis und 2010 mit dem Preis der Autoren. 2015 und 2016 war Bernadette Sonnenbichler Gastdozentin an der Universität der Künste Berlin. Seit der Spielzeit 2016|17 ist sie als Hausregisseurin am Düsseldorfer Schauspielhaus tätig.

Premiere am Sonntag 02. Juli, 19.00 Uhr, Marguerre-Saal – Stückeinführung 18.15 Uhr

Weitere Informationen und Tickets: www.theaterheidelberg.de; 06221|5820.000

 

Juni 2017 | Heidelberg, InfoTicker aktuell, Theater & Orchester HD | Kommentieren