„… jedenfalls keine metaphysische Bedürfnisanstalt.“
[1]Lassen Sie mich nach all den oben beschriebenen vergangenen, weniger anregend denn aufregenden Jahre für die Heiliggeist-Gemeinde zu guter Letzt und nicht zuletzt aus Anlass des heute (2. August 15) im ZDF life übertragenen Gottesdienstes mit „Meditationen“ zum einzig verbliebenen Schreiterschen Physik-Fenster mich selbst nochmal zitieren aus „geistes Blitze – Nachrichten der ev. HeiliggeistGemeinde. 1. Jg. 2002 – Nr. 3:
„Nein, es ist auch nicht wahr, dass wir in einem religonslosen Land lebten, wie häufig zu hören ist:
Die Menschen sind nur der von den Kirchen angebotenen Formen müde, müde auch der Wiederholung des immer Gleichen, das nicht eingeht auf die Herausforderungen unserer Zeit. Nicht selten höre ich die These, die Kirche, das Christentum habe auf die großen Fragen der Gegenwart, geschweige der Zukunft, keine sinnstiftende Antworten. In der Tat meine ich, Erwartungen an Kirche beziehen sich nicht allein auf das seelische Gleichgewicht und auf eine geistige Umorientierung, sondern es geht allemal auch um eine Herausforderung sozialer, wirtschaftlicher und zu guter Letzt auch ganz sicher politischer Art.
Antworten auf solch diesseitige Fragen können nicht von Studienkommissionen und auch nicht von Denkschriften gefunden werden, sondern sie müssen von Christen kommen, die nicht allein formal getauft, sondern wiedergeboren sind aus Wasser, Geist und Feuer; Christenmenschen, die sich aber auch zurückziehen können aus dem Alltagsbetrieb von Kirche und Welt, um zu hören, zu sehen, zu üben – und dann aber auch zu tun, was der Geist zu sagen hat.
An eine solche Kirche glaub(t)e ich.
Der Apparat „Amtskirche“ aber, wie er sich mir – während meines „Ältestendaseins“ an Heiliggeist dargestellt hat als Kirche (nicht Gemeinde), die niemanden mehr aufregen, mithin auch niemanden mehr anregen kann oder will, verdrängt, dass das Evangelium, dessentwegen alleine sie existiert, aufregend i s t. Diese Kirche vergisst, dass sie sich zu einem Herrn bekennt, der als Aufrührer hingerichtet wurde …
… Solange unsere Kirche noch wenigstens etwas mehr als gar nichts mit diesem Jesus von Nazareth zu tun haben will, kann und darf ihr nicht in den Sinn kommen, Glauben ausschließlich zu unpolitischem Seelentrost zu machen.
Kirche möge also bitte nicht verschweigen, dass ihr Bekenntnis zu diesem Mann am Kreuz Anstoß erregen darf, soll und muss und – was Wunder – natürlich auch Ärger macht.“ Jürgen Gottschling
