thumb_x380_y238_preis_schmidt_709f06Der stv. Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), Dr. Johannes Fechner hält eine Diskussion um die Steuerung der Patienten für zwingend erforderlich. Anlass ist die Forderung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nach einem direkten Zugang der Patienten zu den Anbietern von Heilmittel-Leistungen wie Physio- und Ergotherapeuten und Logopäden.


Fechner sagte am Dienstag in Stuttgart: „Wir begrüßen es, wenn die Politik die Frage aufwirft, ob das derzeitige System der fehlenden Steuerung von Patienten noch zeitgemäß ist und wie die Ärzte entlastet werden können.“ Aus seiner Sicht wird damit eines der Kernthemen der Gesundheitspolitik angesprochen. „Heute haben wir das System der unbegrenzten und ungesteuerten Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen durch Patienten. Vor allem die Facharztpraxen sind voll von Patienten, die nicht zwingend die Expertise des Spezialisten benötigen.“ Dementsprechend forderten Experten seit langem eine klare Patientensteuerung mit einer zentralen Instanz, die die Koordination der Behandlung übernimmt.
„Der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen hat erst in seinem letzten Gutachten aus dem Sommer vergangenen Jahres eindeutig gefordert, dass diese Form des unbegrenzten Zugangs auf Dauer nicht finanzierbar ist und dementsprechend die Einführung einer Patientensteuerung angemahnt. Zentrale Instanz sollte der Hausarzt sein, da er als einziger den Überblick über die Krankengeschichte des Patienten hat. Als Lösung hat der Sachverständigenrat vorgeschlagen, die Patienten zu verpflichten, immer zuerst ihren Hausarzt aufzusuchen, bevor sie einen Facharzt in Anspruch nehmen. Andernfalls müssten sich die Patienten an den Kosten der Behandlung beteiligen. Ausnahmen wären beispielsweise Besuche bei Kinder-, Augen- und Frauenärzten. Wir halten das für eine gute Lösung, weil sie auch einkommensschwächeren Patienten weiterhin die volle fachärztliche Versorgung ermöglicht.“
Vor diesem Hintergrund sieht Fechner wenig Spielraum für einen Abbau der Steuerung gegenüber den Heilmittelerbringern. „Es wäre ein Widerspruch, wenn wir auf der einen Seite mehr Steuerung einfordern, auf der anderen Seite aber bisherige Steuerungsinstrumente abbauen. „Wenn die Patienten selbst entscheiden können, wann sie zum Physiotherapeuten gehen, würde dies einerseits zu einer Kostensteigerung bei der Physiotherapie führen, andererseits würde dadurch die Häufigkeit der Arztbesuche nicht wesentlich verringert. Denn in den meisten Fällen werden neben der Physiotherapie auch Arzneimittel verschrieben oder Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausgestellt. Die Patienten müssen daher sowieso trotzdem zum Arzt.“
Fechner ergänzte: „Vergessen werden darf nicht, dass die Ärzte strengen Vorgaben für die Wirtschaftlichkeit ihrer Verordnungen unterliegen. Wenn die Patienten selbst entscheiden können, ob und wie oft sie zum Physiotherapeuten gehen, müsste in der Konsequenz die Androhung von Regressen bei Überschreitung des Verordnungsvolumens für die niedergelassenen Ärzte entfallen.“
Gleichwohl sieht Fechner Ansätze, die Einbeziehung der Physiotherapeuten zu verstärken. „Physiotherapeuten sind exzellent ausgebildet. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass die Ärzte die Notwendigkeit von Physiotherapie bestätigen, das anzuwendende Heilmittel aber nicht mehr vorschreiben. Die Physiotherapeuten würden zukünftig selbstständig die Behandlungsmethode und -dauer festlegen.“

Apr. 2015 | Allgemein, Gesundheit, Zeitgeschehen | Kommentieren