Mit Michael Lingrên, geboren 1944 in Erfurt, erhält ein Bildhauer den von der Manfred Lautenschläger Stiftung unterstützten Willibald-Kramm-Preis 2015. Lingrên wuchs in Hannover auf; er studierte dann in Berlin und Heidelberg Mathematik. Mit Malerei begann er als Autodidakt.
Seine Begeisterung für Malerei führte ihn zur Freien Akademie Mannheim, wo er bei Prof. Joachim Geissler-Kasmekat studierte, der damals Rektor der Akademie war und ein nicht minder begnadeter Pädagoge. Seit 1980 ist Lingrên freischaffender Künstler, seit Ende 1986 widmet er sich vorwiegend der Plastik.
Zunächst entwarf der in Neckargemünd lebende Künstler mehr oder minder figurative Objekte, die häufig aus mehreren Industrieteilen zusammengestellt wurden. Doch bald genügte ihm diese Ausrichtung nicht mehr. Er begann sich von der Gegenständlichkeit abzuwenden und der reinen Abstraktion mehr Raum einzuräumen – ein Prozess, der auch mit der Entwicklung seiner Malerei einherging.
Für seine Skulpturen fertigte er zunächst Modelle aus Karton oder Zeichnungen an, um sie anschließend aus industrieangefertigten Blechen herzustellen. Mit einer Flex (einer mit einer Trennscheibe bestückten Maschine) oder mit einer Brennschneidemaschine schneidet er den niedriglegierten Stahl auf das passende Maß. Soll dieser eine gebogene Form haben, muss er mit Rundwalzen bearbeitet werden.
1988 begann Lingrên mit CAD-Technik am Computer zu arbeiten. Fortan konnte er statt Skizzen oder Kartonmodellen millimetergenaue Berechnungen der Volumenmodelle liefern, anhand derer sich Stahlbleche mit Wasserstrahl, Laser oder Plasma schneiden ließen, bevor sie von ihm zusammengeschweißt wurden. Ein Vorteil solcher virtuellen Entwürfe war die Möglichkeit, die exakte Oberfläche des Volumenmodells zu errechnen und zu zeichnen. Denn man muss nicht nur die physikalischen Gesetze genau beachten, damit die Skulptur beispielsweise aufgrund verschiedener Gewichtverteilungen, nicht kippt.
Ein interessantes Element von Lingrêns Arbeiten sowohl in der Malerei wie auch in der Plastik ist die Hinwendung zur antiken Themen, etwa in der Plastik „Spielzeug des Pythagoras“ oder in der Malerei, wo es um Anklänge an Motive aus griechischen Tragödien oder antiken Mythen geht. Auch hier ist der Weg zur Abstraktion deutlich und die Thematik des Unbewussten (und Unterbewussten) gewinnt nicht selten die Überhand. Um genau zu verstehen, was die einzelnen Arbeiten von Lingrên bedeuten, ist es unablässig, seinen Weg zu einer alles vereinenden Form zu verfolgen, zumal die meisten Arbeiten auf Holz oder Hartfaser auch räumliche Bezüge stark betonen, so dass man sich sehr gut vorstellen kann, dass sie als Plastiken ausgeführt werden könnten, wie zum Beispiel sein zwischen 1981 und 1983 gemalter „Baum der Erkenntnis“ – sicherlich eine Initiationsarbeit, die den Weg zur Skulptur ebnete.
Michael Lingrên hat etwa 26 Großplastiken für den öffentlichen Raum geschaffen, Etliche in öffentlichen Sammlungen (z. B. Kurpfälzisches Museum, Badischer Gemeinde-Versicherungs-Verband in Karlsruhe, SAP, Gewerbeschule Eberbach, Hubert-Sternberg-Schule Wiesloch, Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg,
mehr als 100 Werke befinden sich in Privatbesitz. Mit rund 17 Einzelausstellungen gehört er zu den profilierten Künstlern der Region. Die Willibald-Kramm-Preis-Stiftung ehrt ihn nun mit ihrer diesjährigen Auszeichnung. In seiner Ausstellung in der Kanzlei Tiefenbacher zeigt Michael Lingrên sowohl Kleinplastiken und Gemälde als auch Zeichnungen.
Die Ausstellung dauert vom 4. Mai bis 31. Julie 2015 Im Breitspiel 9 | 69126 Heidelberg |Tel: 06221 31130
www.tiefenbacher.de