Der Heidelberger Kunstverein zeigt mit der Einzelausstellung „Wir leben im Verborgenen“ Graphiken und Gouachen der Künstlerin Ceija Stojka (1933–2013). Die österreichische Romni Ceija Stojka überlebte als Kind die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Bergen-Belsen.
Nach über 40 Jahren brach sie das Schweigen und begann in den späten 1980er Jahren über ihre Erlebnisse zu berichten. Sie beginnt Bilder zu malen, Gedichte, Prosa und unter anderem die Autobiographie „Wir leben im Verborgenen“ (1988) zu schreiben und macht als eine der Ersten auf das Schicksal ihres Volkes in den Konzentrations- und Vernichtungslagern aufmerksam.

Ohne Titel, 28.07.2009 © Nachlass Ceija Stojka: Hojda Willibald Stojka, Wien
© VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Im Zentrum der Ausstellung stehen Stojkas grafische Arbeiten, die mit einem expressionistischen Duktus ihre Erinnerung an Angst, Scham, Verfolgung und Tod in den Lagern zum Ausdruck bringen. In den Jahren von 1996 bis 2011 schuf sie den ca. 250 Blätter umfassenden Tuschezyklus „Selbst der Tod hat Angst vor Auschwitz“. Ihr Konvolut veranschaulicht eindrücklich in einer expressiven Wort-Bild Auseinandersetzung die späte Bearbeitung ihres Traumas. Sie „malte, um zu überleben“ und fand in diesem Prozess vielfältige Ausdrucksformen und damit ein eindrucksvolles künstlerisches Narrativ über die Verfolgung und den Genozid an den europäischen Roma und Sinti in der NS-Zeit.

Auschwitz. Ohne Worte, 14.02.2006, Ceija Stojka
© Nachlass Ceija Stojka, Hojda Willibald Stojka, Wien
© VG-Bild-Kunst, Bonn 2014
Ihre Grafiken werden zusammen mit den Malereien von einer eigens für diese Arbeiten konzipierten Architektur ausgestellt. Bücher, Texte und Filme kontextualisieren die Inhalte der Ausstellung.
Ein umfassendes Rahmenprogramm, das in Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum der Deutschen Sinti und Roma in Heidelberg konzipiert wird, begleitet die Ausstellung. Gleichzeitig eröffnet im Studio das „Kino Romanes“; dort werden Filme zur Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma gezeigt. Ausgangspunkt der Ausstellung bilden die zwei in Berlin 2014 gezeigten Ausstellungen von Lith Bahlmann und Matthias Reichelt und die Monografie „Ceija Stojka (1933–2013) – Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz“.
Erst Ende der 1980er Jahre – nach über 40 Jahren – beginnt sie Bilder und Worte für das Erlebte zu finden; sie schreibt Gedichte, Prosa und veröffentlichte 1988 ihre von Dr. Karin Berger herausgegebene Autobiografie „Wir leben im Verborgenen“. Sie überwindet damit ihre Angst, gibt sich als Angehörige der Minderheit der Roma zu erkennen und bricht als eine der Ersten das Schweigen über die Verfolgung und Diskriminierung. Sie initiierte damit einen Prozess der Auseinandersetzung mit der bis dahin verdrängten Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma. Sie nannte sich selbst eine, die den „Wenigerheiten“ zugehöre.

Ceija Stojka, Heil, Jawoll, 28.07.2004
© Nachlass Ceija Stojka: Hojda Willibald Stojka, Wien
© VG Bild-Kunst, Bonn 2014
Im Zentrum der Ausstellung stehen Stojkas grafische Arbeiten, die mit einem stark expressionistischen Duktus ihre Erinnerung an Angst, Scham, Verfolgung und Tod in den Lagern zum Ausdruck bringen. In den Jahren von 1996 bis 2011 schuf sie so den rund 250 Blätter umfassenden Tuschezyklus „Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz“. Ihre „dunklen Bilder“ erzählen von dem alltäglichen Überlebenskampf bis zu ihrer Befreiung und sind doch gleichzeitig in ihrer Wort-Bild-Auseinandersetzung mit dem Unaussprechlichen nicht greifbar. So sind die stilistisch vielfältigen Zeichnungen oftmals mit lautsprachlichen Satzstücken und narrativen Elementen versehen. In surrealen Bildinhalten oszillieren die Werke zwischen abgründiger Realität und Farbigkeit des Lebens, zwischen abstraktem Gestus und dokumentarischem Erinnern. Ihre Grafiken werden zusammen mit den Malereien in einer eigens konzipierten Architektur von Amelie Marei Löllmann ausgestellt. Bücher, Texte, Filme und Dokumente kontextualisieren die Inhalte der Ausstellung. Zudem werden die Dokumentarfilme von Dr. Karin Berger „Unter den Brettern hellgrünes Gras“ und „Ceija Stojka“, in denen die charismatische Zeitzeugin über ihr bewegtes Leben berichtet, gezeigt.
Ceija Stojka war eine Künstlerpersönlichkeit, die mit ihrem bildnerischen, musikalischen und literarischen Werk ein einzigartiges und zutiefst berührendes Narrativ über die Verfolgung und den Genozid an den europäischen Sinti und Roma in der NS-Zeit geschaffen hat. Sie „malte, um zu überleben“ und fand in diesem Prozess Bilder und Worte, die an Dringlichkeit nie verlieren werden und bei den derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklungen aktueller sind denn je.
In Kooperation mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum der Deutschen Sinti und Roma in Heidelberg finden Führungen und Vorträge statt. Ausgangspunkt der Ausstellung bilden zwei in Berlin 2014 gezeigten Ausstellungen von Lith Bahlmann und Matthias Reichelt und die Monografie „Ceija Stojka (1933–2013) – Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz“.
Der Heidelberger Kunstverein dankt dem Österreichischen Bundeskanzleramt, der Allianz Kulturstiftung und dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg für ihre Unterstützung.
Ceija Stojkas (*1933 in Kraubath an der Mur, Steiermark; † 2013 in Wien) künstlerische Arbeiten waren bereits auf zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen (u.a. 2004 im Jüdischen Museum Wien und 2009 in der State University, Kalifornien, sowie der Pacific University, Oregon). Sie wurde mehrfach mit Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, u.a. erhielt sie 2001 das Goldene Verdienstkreuz des Landes Wien, 2005 die Humanitätsmedaille der Stadt Linz und 1993 den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch. 2008 erhielt sie das Bundesehrenzeichen des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur für hervorragende Leistungen im Rahmen des interkulturellen Dialogs für den Katalog „Ceija Stojka. Auschwitz ist mein Mantel. Bilder und Texte“ und wurde 2009 durch eben dieses zur Professorin ernannt.
›KINO ROMANES‹
Filme zur Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma
Do/Fr/Sa/So, je 16 und 18 Uhr
Im Studio des Heidelberger Kunstvereins wird für die Zeit der Ausstellung ein temporäres Kino eingerichtet. Mit „Kino Romanes“ soll ein Einblick in die virulente Filmszene von Filmemachern gegeben werden, die sich mit den Sinti und Roma und ihrer Stellung in der Gesellschaft auseinandersetzen. Im Rahmen der Ausstellung werden Filme von Regisseuren gezeigt, die jeweils von einem Künstler, Kurator, Autor oder Historiker als besonders relevant empfunden werden. Diese Experten legen in einem Statement dar, weshalb sie den jeweiligen Film ausgewählt haben.
Der Kunstverein gibt, damit eine Vielzahl von Einblicken in die unterschiedlichsten Kulturen und Perspektiven der Sinti und Roma bis in die Gegenwart.
Von Spiel- bis Dokumentarfilm werden dabei auch die Fragen, die das Werk von Ceija Stojka aufwirft, weitergeführt.
Jeden Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag zeigt das temporäre „Kino Romanes“ jeweils um 16 und 18 Uhr Filme im Studio. Vor jeder Vorführung wird das Statement der Person, die den Film empfohlen hat, zitiert. Bei einigen Filmvorführungen sind sowohl die Regisseure Dr. Karin Berger und Bodo Kaiser als auch Experten wie Radmila Mladenova, Jara Kehl oder Kathrin Krahl zum Gespräch eingeladen.
Auftaktfilm
Sonntag 22.2. / 16 Uhr
A People Uncounted. The Untold Story Of The Roma
Regie: Aaron Yeger, 2011
Der Dokumentarfilm „A People Uncounted“ von Aaron Yeger porträtiert Lebenswirklichkeiten unterschiedlichster Romapersönlichkeiten – Holocaust-Überlebende und u.a. Historiker, Aktivisten, Künstler,– in Europa, deren Gegenwart immer durch die Vergangenheit geprägt ist: Geschätzt 500.000 Roma wurden während des zweiten Weltkrieges ermordet. In Interviews beleuchtet Yeger ihre kulturellen Kontexte und begibt sich auf eine eindrückliche Reise durch die Vielfalt der größten Minderheit Europas.
Mittwoch 25.2. / 19 Uhr
Die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma
Vortrag von Dr. Silvio Peritore
1982 erfolgte die Gründung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg. Nach über 20 Jahren beharrlicher Bürgerrechtsarbeit hat in vielen gesellschaftlichen Bereichen ein spürbarer Wandel im Umgang mit dieser Minderheit eingesetzt.
20.Sep..2019, 11:35
Leonore von Friedrichsburg
Klasse Webѕeite, ich kommе sicherr mal wieder vorbei.
Grüße aus Wien
Leoni