Mit Christian Wulff ist ein gestandener Berufspolitiker zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten gemacht worden. Und ein gestandener Parteipolitiker. Es mag eine gute Wahl für Schwarz-Gelb sein. Für das Amt ist sie fragwürdig.

Nun also der ewig junge Ministerpräsident aus Niedersachsen. Ihm soll, so will es Kanzlerin Angela Merkel, der Sprung gelingen vom aktiv Politik gestaltenden Landeschef zum repräsentierenden Staatsoberhaupt. Ob ihm dieser Sprung gelingen wird, darüber mag jetzt viel spekuliert werden. Seine ersten Schritte im Amt werden es schließlich zeigen – sollte er mit der komfortablen Mehrheit von Schwarz-Gelb in der Bundesversammlung gewählt werden.

Diese Frage wird für Angela Merkel aber nicht im Zentrum ihrer Überlegungen gestanden haben, als sie sich Anfang der Woche auf Kandidatensuche begab. Das Anforderungsprofil an einen potentiellen Kandidaten war hoch nach dem überraschenden Rückzug von Horst Köhler: Kein Seiteneinsteiger sollte er oder sie sein, vielmehr ein gestandener Berufspolitiker, am besten eine über alle Parteigrenzen hinweg beliebte und angesehene Persönlichkeit. Die Liste der Kriterien war fast endlos fortzusetzen.

Doch die Wahl Wulffs offenbart die Prioritätenliste der Kanzlerin: Nicht nur ein Politikprofi, nein, ein Parteiprofi soll offenbar künftig in Schloss Bellevue «regieren». Der gestandene  CDU-Politiker Christian Wulff soll es wuppen für Schwarz-Gelb. Seine Wahl würde zeigen: Die Koalition kann schwere Entscheidungen noch durchdrücken. Wulff als Bundespräsident soll Schwarz-Gelb wieder den Rücken stärken.

Der Widerstand der Opposition war vorprogrammiert. SPD-Chef Sigmar Gabriel wird seinen alten Widersacher aus Niedersachsen nicht unterstützen – das war in dem Moment klar, als der Name Wulff das erste Mal kursierte. Dass die Opposition einen Gegenkandidaten aufstellt, ist legitim.