Es geht zwar um Musik bei dieser guten Nachricht. Aber als die Plattenfirma EMI und ihr Handelspartner Apple den Kopierschutz beim Musikvertrieb im Internet für überholt erklärten, ging es zunächst um die Macht der Bilder. Man sah bunte Kringel, und davor sah man zwei ältere Herrschaften, Steve Jobs und Eric Nicoli, mit offenen Mündern visionäre Blicke werfen.
In den virtuellen Apple-iTunes-Läden bei Steve Jobs wird Eric Nicoli die EMI-Stücke künftig etwas teurer anbieten. Dafür werden die Stücke besser klingen. Und vor allem darf der Käufer sie wieder besitzen, weil die Datenpäckchen keine ärgerlichen Schutzprogramme in sich bergen. Das ist eine ganze Menge und ein Glück für Menschen, die Musik als kulturellen Schatz betrachten statt als flüchtige Tonspur.
Jobs‘ und Nicolis messianisches Feiern wirkt übertrieben
Allerdings: Dass Jobs und Nicoli sich dafür messianisch feiern lassen, wirkt dann doch ein wenig übertrieben. Wer den Zirkus um Musik im Internet zehn Jahre lang verfolgt hat, schüttelt heute fassungslos den Kopf und freut sich einfach leise vor sich hin. Es ist ja so: Man hat sich damit abgefunden, dass Musik sich im Computer anhäuft, wo sich die Musik sogar sehr schön verwalten lässt. Aber man ärgert sich über so ewig gültige CDs wie „We Love Music“ von International Pony von 2002, die ausdrücklich gegen „PC und Mac“ gesperrt sind. Und Musik, die man auf digitalem Weg erworben hat, verliert man spätestens, wenn der veraltete Computer die kopiergeschützten Stücke mit ins Grab nimmt.
Bisher führte jede Klage über diesen Umstand dazu, dass die Plattenfirmen ihr Geschrei erhoben über kriminelle Machenschaften, Raubkopie-Armeen und den Untergang des Popstandorts. Sie pochten auf ihr DRM, ihr „Digital Rights Management“. Es gab zwar grundsätzlich das Recht auf die Privatkopie. Aber durch den Kopierschutz war das Recht gleichzeitig abgeschafft. Es war (und ist), als hätte man ein Buch oder ein Bild erworben, nur für ein Regal oder ein Zimmer, und bei jedem Umzug wäre eine Neuanschaffung von Manns „Zauberberg“ und Pollocks Klecksen fällig.
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Der Kopierschutz hat der Wertschätzung eines Musikstücks wohl nicht weniger geschadet als das Selbstbedienungs-Medium Internet. Nun treibt der digitale Handel kräftigere Blüten. Das in Aussicht stehende Wachstum wird dabei gebremst durch die grotesken Techniken zur Wahrung digitaler Rechte. Eric Nicoli und seine EMI werden aus wirtschaftlicher Sicht dazu gezwungen, die Musik von Herbert Grönemeyer, Norah Jones und Robbie Williams freizugeben und etwas für die Musik zu tun. Mögen die Männer auf den Bildern sich ruhig feiern. Und dann weitermachen.