Die Neue Rundschau wird sich nach langem hadern mit dem Wirt- schaftskrimi Rechtschreibreform den in den Schulen gebräuchlichen Schreibweisen weitgehend anpassen. Die Redaktion wird dabei nach Möglichkeit die wieder zugelassenen Schreibweisen der bewährten Rechtschreibung verwenden. Dieser Schritt möge einer Einheitlichkeit der Rechtschreibung dienen. Er wurde möglich, weil Einwände der Reformgegner im reformierten Regelwerk berücksichtigt wurden.
Die Reform der Rechtschreibreform erlaubt in den meisten Fällen wieder die Verwendung bewährter Schreibweisen, wie sie vor der Reform gebräuchlich waren und außerhalb der Schulen immer noch gebräuchlich sind. In zahlreichen Fällen nennen die Wörterbücher mehrere zulässige Varianten, wobei die Redaktion des „Wahrig“ in der Regel die bewährten Schreibweisen empfiehlt, während die Duden-Redaktion entgegen den Empfehlungen des Rates für Rechtschreibung überwiegend der reformierten Schreibweise den Vorzug gibt. In Zweifelsfällen werden wir uns deshalb künftig vor allem an Wahrigs Wörterbuch „Die deutsche Rechtschreibung“ orientieren.
In Ausnahmefällen weiter bewährt
Aber auch dieses Nachschlagewerk hat leider nicht alle Unsinnigkeiten der Reform rückgängig gemacht. So sollen zum Beispiel „Greuel“ und „greulich“ künftig ausschließlich mit „äu“ geschrieben werden. Eine Unterscheidung zwischen einer ins Gräuliche spielenden Farbgebung und einer greulichen, also Abscheu erregenden Tat wäre damit nicht mehr möglich. Die Reformer verweisen zur Begründung ihrer Fehlentscheidung auf die sogenannten Volks-Etymologien. Ihrer Ansicht nach haben sich irrtümliche Herleitungen eingebürgert, so daß nun falsche Schreibweisen zu folgen hätten – was wir auch künftig nicht mitmachen.
Derartige Begründungen nämlich – und ihre Auswirkungen auf die Rechtschreibung – sind so unsinnig, daß wir in einigen Ausnahmefällen beschlossen haben, dem reformierten Regelwerk nicht zu folgen. Die Tabelle gibt eine knappe Übersicht über jene Fälle, in denen die Redaktion auch künftig von der reformierten Schreibweise abweichen wird.
Wir beugen uns – trotzig
Seit dem 1. August dieses Jahres gilt die reformierte Rechtschreibung an den deutschen Schulen. Ein großer Teil der Reformbefürworter betrachtet die Reform damit als abgeschlossen. Die Mannheimer Dudenredaktion wirbt für die neueste Ausgabe ihres Nachschlagewerkes mit dem Versprechen, die Neuregelung sei endgültig, und auf dem neuen Wahrig prangt der Ausruf „Endlich Sicherheit!“ Die Beteiligten wissen, daß dies nicht die ganze Wahrheit ist, aber sie wissen genau, wie der größte Wunsch der Sprachgemeinschaft beschaffen ist: Jeder, der mit Fragen der Rechtschreibung zu tun hat, wünscht sich nach langen Jahren des Streits und der Verwirrung nichts sehnlicher als ein klares und einheitliches Regelwerk. Das Hin und Her muß endlich ein Ende haben.
Dieser Wunsch geht über alle Gräben hinweg, er eint trotz allen Meinungsverschiedenheiten die Reformer wie die Anhänger der über Jahrzehnten bewährten Rechtschreibung. Erfüllen kann er sich jedoch nur, wenn alle Beteiligten die Einheitlichkeit der Rechtschreibung über die Einzelheiten stellen, die nach wie vor strittig sind.
Wo immer es möglich ist, werden wir auch in Zukunft die bewährten Schreibweisen anwenden. Damit ist gewährleistet, daß die Redaktion ihr wichtigstes Handwerkszeug, die Sprache und die Rechtschreibung, weiterhin so nutzen und einsetzen kann, wie ihre Arbeit es verlangt und wie unsere Leser es gewohnt sind.
Theorie, Praxis – und Zwang
Diese mit schwachsinnigem Ehrgeiz ohne Not betriebene Reform ignorierte vollständig, daß Sprache und Rechtschreibung sich organisch entwickeln und sich dabei nicht um die Vorgaben der Sprachwissenschaft kümmern. Daß es im Deutschen Schreibweisen gibt, deren Entstehung der Linguist nicht zu erklären vermag, ist ein Problem der Sprachwissenschaften und hätte es bleiben sollen. Es war ein Problem der Theorie. Durch die Reform wurde es jedoch zu einem Problem der Praxis: Plötzlich schien es jedermann zu betreffen.
Keine Reform, die in den letzten Jahrzehnten in diesem Land begonnen wurde, war so unnötig wie die Rechtschreibreform. Daher hat sie wie wenige andere Reformen die Gemüter erhitzt. Gibt es ein anderes Land der Welt, dessen Dichter und Schriftsteller darauf bestehen müssen, daß ihre Texte in den Schulbüchern einer anderen Rechtschreibung folgen als jener, die in den Schulen gelehrt wird? Die ursprüngliche Reform hat sich jedenfalls weder bei den Schriftstellern noch in der Bevölkerung durchsetzen können.
Der größte Ansehensverlust
Ihre Niederlagé haben die Kultusminister insgeheim bereits eingestanden und deshalb den Rat für Rechtschreibung ins Leben gerufen. Er sollte die gravierenden Mängel der Reform beheben und hat dies auch weitgehend getan, obgleich er überwiegend mit Reformbefürwortern besetzt wurde, die nun revidieren mußten, was sie zuvor beschlossen hatten. Die hier vorliegende Einsicht ist jedoch vor allem die Einsicht in die Grenzen dessen, was Politik verfügen kann: Die Sprache liegt außerhalb der Zuständigkeit der Politik. Daß die Kultusministerkonferenz dies nicht hinzunehmen bereits war, hat ihr den größten Ansehensverlust eingetragen.
Und noch immer ist die Einheitlichkeit unserer Rechtschreibung, die uns als Ergebnis der Reform der Reform versprochen wurde, nicht wiederhergestellt, denn die Wörterbücher verzeichnen zahlreiche Varianten. So erlaubt der Duden zum Beispiel die Schreibweise „heute Früh“ ebenso wie die bewährte Schreibung „heute früh“.
Verantwortung gegenüber den Schülern
Der anhaltende Widerstand der meisten deutschen Schriftsteller und ihrer Verlage, die Not von Schülern, Lehrern und Eltern, die Proteste in den Medien und nicht zuletzt die Empörung in weiten Teilen der Öffentlichkeit – all dies hat dazu geführt, daß die Rechtschreibreform mehrfach reformiert wurde. Dies wäre ohne die unnachgiebige Haltung der Öffentlichkeit nie geschehen, und wir wissen, daß viele unserer Leser nach wie vor jeden Kompromiß in dieser Frage ablehnen. Im Privatleben ist eine solche rigorose Haltung aufrechtzuerhalten, denn privat kann auch weiterhin jedermann schreiben, wie er es für richtig hält.
Wir aber haben uns in dieser Angelegenheit anders zu verhalten: Wir fühlen uns auch den Kindern gegenüber in der Verantwortung, die in der Schule die reformierten Regeln erlernen müssen. Ihnen und allen anderen sind wir es schuldig, daß wir für die Einheitlichkeit der Rechtschreibung alles in unserer Macht stehende tun. Deshalb haben wir beschlossen, den Weg des Kompromisses zu gehen. Unsinnigen Regeln werden wir auch in Zukunft nicht folgen: Schreibweisen wie Stängel statt Stengel, Tollpatsch statt Tolpatsch oder Tipp statt (aus dem englischen stammende) Tip wird es bei uns auch in Zukunft nicht geben. Nach jahrelangem Streit ist die Reform mit großem Aufwand meist wieder bei dem angelangt, was zu verbieten ihre Verfechter vor langen Jahren einmal angetreten waren: bei den bewährten Schreibweisen. Das aber ist wahrlich kein Verdienst der Reformer. tno
Ja, wir haben gekämpft: Legastheniker in Ministerämtern verhunzen unsere Sprache. Deutsche Hanswurstiade als Wirtschaftskrimi …
Daß das schöne Wort Reform in Deutschland einen fauligen Geruch angenommen hat, liegt nicht zuletzt an der Skrupellosigkeit einer Mafia, die sich vor Jahren in irgendwelchen Hinterzimmern zusammengerottet hat, um mit der deutschen Sprache gründlich aufzuräumen.
Funktionäre, Didaktiker und Agenten des Duden-Monopols waren es, die sich anmaßten, über die Rechtschreibung als geheime Kommandosache zu verfügen. Ein Kreis von Legasthenikern, der es zu Ministerämtern gebracht hat, deckt, vermutlich aus Größenwahn und Eitelkeit, diese Leute und möchte uns vorschreiben, wie wir uns auszudrücken haben. Dieser Klüngel, die Ku-Mi-Ko, ist kein Verfassungsorgan. Sie hat uns nichts zu sagen.
Das demokratische Medium
Wer sich als Herrscher über die Sprache aufspielt, hat nicht begriffen, daß es sich um das einzige Medium handelt, in dem die Demokratie schon immer geherrscht hat. Selbsternannte Autoritäten kann es da nicht geben. Was eine Sprachgemeinschaft akzeptiert und was sie ablehnt, darüber entscheiden Millionen.
Ein einfacher Test dürfte als Beweis genügen: Welche Idiome haben es zu Weltsprachen gebracht? Das Lateinische mit seinen zahllosen Flexionen; das Arabische, das nur die Konsonanten schreibt und es dem Leser überläßt, die Vokale zu ergänzen; das Französische mit seiner abwegigen Orthographie und das Englische mit seinem blühenden Chaos; nicht aber Sprachen, die über eine vernünftige Rechtschreibung verfügen, wie das Italienische und das Finnische.
Eine dreiste Lüge
Es ist eine dreiste Lüge, wenn die Sprachplaner behaupten, es ginge ihnen ja nur um die armen Schüler, die von den alten, ach so schwierigen Schreibweisen überfordert wären. Woher kommt es dann, daß diese bedauernswerten Geschöpfe überall auf der Welt, und zwar besonders in Deutschland, fast alle fließend Englisch sprechen und mühelos jeden Hit buchstabieren, der in den Charts auftaucht?
Autoren, Linguisten, Gelehrte aller Fakultäten haben seit Jahren auf die Idiotie dieser verordneten Reform hingewiesen. Inhaltlich ist dazu nichts Neues mehr zu sagen. Politisch bemerkenswert ist jedoch die Unbelehrbarkeit der ministerialen Ignoranten und die Feigheit derer, die ihnen auf die servilste Art und Weise gehorchen.
Die Feigheit der Lehrer
Damit meine ich zum einen die Schullehrer. Sie sind allesamt praktisch unkündbar; selbst einen Narren oder einen Alkoholiker loszuwerden, verbietet das heilige Beamtenrecht. Gleichwohl halten sich sogar Pädagogen, die aus Erfahrung wissen, daß die Reform ihre Schüler schädigt, sklavisch an die unsinnigen Vorschriften von Amtsinhabern, die selber nicht imstande sind, einen vernünftigen deutschen Satz hervorzubringen.
Zweitens sind es Verleger und Redakteure, denen keine Bürokratie etwas vorschreiben kann, die sich, wider besseres Wissen, in vorauseilendem Gehorsam dieser deutschen Hanswurstiade gebeugt haben, statt sich an eine schlichte Maxime des Vorsitzenden Mao Tse-tung zu halten: „Es kommt darauf an, wer den längeren Atem hat.“
Es ist überflüssig, sich weiter über die Ignoranz und die Präpotenz der Ku-Mi-Ko zu ereifern; es genügt, ihre Anweisungen zu ignorieren. Dazu ist keine besondere Zivilcourage erforderlich. Ein kleiner Vermerk auf jedem Manuskript, auf jeder Schulaufgabe genügt: „Nicht nach Duden!“ Es gibt Schriftsteller und Redaktionen, die, mit wachsendem Erfolg, nach dieser Regel verfahren. Nota bene hat sich die Rundschau zu keiner Zeit an die sogenannte reformierte Schreibweise gehalten. Und, dieweil vor wenigen Monaten ein „Neuer Duden“ auf den Markt geworfen wurde, den jeder Lehrer zu kaufen gezwungen war, der aber spätestens Ende dieses Jahres überholt sein wird, muß dies Theater zu alledem Wirtschaftskrimi genannt werden dürfen.
Ja, wir haben gekämpft – lesen Sie hier, wie wir einmal (in vino veritas) sogar für eine Reform unserer Sprache geschrieben und uns über alle Maßen stark gemacht haben:
Rechtschreibreform ?
Rechtschreibrewoluzijon ?
Wir fordern:
Rechtschreib an arsch ih!
Am 1. Juli 1996 wurde in Wien ein Abkommen der deutsch- sprachigen Staaten unterzeichnet, durch das die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung gemäß einem von einer internationalen Kommission vorgelegten Regelwerk mit Wörterverzeichnis beschlossen wurde, die am 1. August 1998 mit einer Übergangszeit von sieben Jahren in Kraft treten soll. Wie 1901 bei der damals beschlossenen ersten amtlichen Regelung der deutschen Orthographie weiß auch heute noch niemand so recht Bescheid, obgleich das alles so lange öffentlich diskutiert worden ist. Das Institut für deutsche Sprache stellt sich vor, daß nun Literaturverleger um ihre Klassikerausgaben fürchten, Untergangsphilosophen predigen das Ende der deutschen Sprache, Poeten sehen ihre Intimsphäre verletzt, Lehrer mögen das alles nicht ausbaden müssen, Beamte ahnen den finanziellen Ruin, die Neue Rundschau wird die bislang vermißte rewoluzirte Rechtschreib-Anarschi fordern, die ”ZEIT” verweigert sich auch – und, aktuelle Anmerkung – die FAZ hat wieder zur bewährten Rechtschreibung zurückgefunden.
Aufruf zu ziwilem Ungehorsam
Wir (!) Konservativen toben, Schulkinder, Anarchisten und Legastheniker jubeln: der gesezzlose Zustand scheint am Horizont, spätestens in zehn Jahren haben wir ihn. Zumindest in der deutschen Ortographie. Wer aber das deutsche Gemüth kennt, der weiß, wie wichtig sprache ist. Sie zu beherrschen, wahrlich, heist die deutsche Denke zu beherrschen, insofern die deutsche Politik und damit natürlich Gesamteuropa. Es hat die deutsche Historie noch nie eine so erfolgreiche Kampagne zum ziwilen Ungehorsam erlebt, wie die von den Schriftstellern gegen die Rechtschreibrephorm ausgerufene. Wir wissen uns damit zusammen mit Hans Magnus Enzensberger, der offen, wie das auch unsere Art ist, dazu aufrief, die neuen regelungen zu sabbotieren.
Sprache als Waffe
Kurt Tucholsky wußte und schrieb ”Sprache ist eine Waffe” und schärfte seinen Mitmenschen ein, sie nur auch ja immer brav stumpf zu halten. Das taten sie denn auch ganz begeistert und riefen: Ja! Genau! Sprache ist die Waffel, an der wir alle einen haben und an der wir – biblisch quasi – einander erkennen! Hurra & Halleluja!
Auf diese nachgerade babylonische Sprachverwirrung folgte postwendend der Faschismus – zumindest jedenfalls, will man unseren Sprachpflegern Glauben schenken, die treuherzig herumtröten, der Brutalisierung gesellschaftlicher Verhältnisse gehe voraus, was nun ausgerechnet jene diese Reform hervortretenden Sprachhüter und Lenker sprachliche Verrohung nannten. Sonntagsstolz darauf aus, Ursache und Wirkung zu verwechseln, küren sie – selbstredend, um Schlimmstes zu verhüten – Jahr um Jahr das Unwort des Jahres. Und machen so dingfest, was sie uns nun als Reform vieler Wörter verkaufen wollen. Philosophie zum Unwort des Jahres zu küren, käme uns nicht in den Sinn. Es sei denn, so: Filosofi!
Sprache als Heilmittel
Ist es nicht so, daß jene Gesinnungsabgreifer, die da nun meinen, Sprache in einer Weise verhunzen zu dürfen und/oder zu müssen, wie sie sie der Straße aufs Maul geschaut und gehört haben, der Welt die Krankheit der Sprache als Heilmittel andrehen wollen, jene, wir nennen sie Verrohung, vor der sie so behende zu mahnen und zu warnen bislang vorgegeben haben: Sprachpflegeversicherung! Aber: Bitte, wer hat sich aufgeregt, als der ”Duden” klammheimlich nach dem Komperativ das ”Wie” erlaubt hat? Eine schönre Sprache, wie die deutsche, gibts nimmer … Au weia.
1996 – das war vor 10 Jahren
Wir erinnern uns: Am 1. Juli vor zen Jahren war die Reform in einer zwischenstaatlichen Erklärung verkündet worden. 1996 sollten die Neuen regeln bereitz ”vorab tolleriert” werde. 1998 sollten sie verbindlich in kraft treten. Die alten regeln sollten allerdings noch bis 2005 in einer art doppelherschaft weiter gelten dürfen, bis sie anfang dises Jares endgültig abgeschafft werden solten.
Aufhören mit Halbherzigkeiten!
Wir fordern: Sprachrewoluzijon!
in einem modernen europa ist die zeit so wie so überreif für die abschaffung dumpfdeutscher sonder rechte wie das beharren auf dem sonst welt weit nirgendwo existierende ”ß”. dass das alte ”daß” nun ”dass” geschrieben werden muss, ist doch lediglich eine foltervorschrift von anal fixierten zwangskarakteren und entbehrt angesichts der weiter geltenden schreib weise von ”maß”, ”straße” oder ”draußen” jeder logik. einzig mögliche abhilfe: abschaffung jeder verbindlichen ß-, s- und ss-regelung. Anfangs, mag ja sein, sind die menschen wegen der immer kaotischer werdenden ortografie einfach nur verwirrt. jedoch sind wir sicher, dass sich unser forschlag durchsezen wird:
was heisstn hier rewoluzijon?
wir woln die anarschi!
jedes mensch muss doch so schreibn dürfen, wi er wil, in den kompjuter oder auf ein blatt papir. alle sollen so schreiben dürfen, wi si lustig sind. freilich fürchtet jürgen GOTT-Schling, dass, wenn wir irgendwann schreiben, daß wir es ganz so nun denn doch nicht gemeint haben und (!) zu guter Letzt inter venieren, der Allgemeine sprachferfall dann dennoch nicht mehr würde aufzuhalten sein. Seis drum: Jedder naCH sEInen fähigkeiten, jedernach seinen bedrüfnisen:
konsekwenz für fünf schritte:
einer sofortigen einführung des wegfalls der großschreibung steht nichts im weg, zumal längst viele grafiker und dichter (erinnern wir uns an stefan george) zur kleinschreibung übergegeangen sind. als zweiten schritt empfelen wir den wegfall der dehnungen und schärfungen. diese masname eliminirt die gröste felersuche schon in der grundschule, den sin oder unsin der konsonantenverdopelung hat onehin nimand kapirt. dritens wird v und ph ersetzt durch f; z und sch durch s. so wird das alfabet um swei buchstaben redusirt, sreibmasinen und sesmasinen fereinfachen sich, wertfole arbeitskräfte könen der wirtsaft sugefürt werden. im firten srit ersesen wir q, c und ch durch k; j und y durch i, pf durch f, nun haben wir also sek bukstaben ausgesaltet, di sulseit kan endlich riktig fon neun auf swei iare ferkürst werden, anstat aktsig prosent reksreibunterikt könen nüslikere fäker wi fisik, kemi oder reknen mehr geflegt werden. last not list blediren wir für den wegfal fon ä, ö und ü: ales uberflusige ist iest ausgemerst, di ortografi wider slikt und einfak; naturlik benotigt man einige seit, bis dise fereinfakung uberal riktig ferdaut ist. filekt sasungsweise ein bis swei iare, anslisend durfte als nakstes sil di fereinfakung der nok swirigeren und unsinigeren gramatik anfisirt werden.
”Schlußwort zur Falschschreibdebatte”
von Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) :
”Buchstabenersparnis ist alles, was diese Tröpfe im Kopf haben. Diesem hohen Zweck sollen Logik, Grammatik, Wohlklang, Deutlichkeit und Bestimmtheit des Ausdrucks und Schönheit des Stils geopfert werden. Dabei ist die Allgemeinheit dieser Bestrebungen wahrhaft niederschlagend, indem sie einen seltenen Umstand beweisen, der sich über die ganze schreibende Welt in Deutschland erstreckt, vielleicht mit drei bis vier Ausnahmen, welche ich herzlich um Verzeihung bitte, daß ich sie nicht kenne … Kaum bin ich über eine neue grammatische und orthographische Eselei erschrocken, so sehe ich auch schon andere Schreiber sie eifrig adoptiren und nachschreiben: denn jeder dieser Esel ist dem andern eine Autorität”.
Verweigerung
Wenn wir aber wieder ernst machen wollen: mit nicht vergewaltigter Literatur, die kein bekanntes, vermessenes und aufgeteiltes Land ist, sondern ein unbekanntes, in dem wir lesend reisen können, weil wir unserer Sprache mächtig sind, dann bleibt uns nur jene bewußte, langsame und unumkehrbare Fluchtbewegung, die ein Entlaufen ist: Desertieren von jenem Haufen Sprachzurechtbieger mit ihren Fahnen, Kommandos und eingedrillten Bewegungen. Macht kaputt, was Euch kaputt macht …