Am besten wäre es, man könnte Karl Kraus variierend sagen: Zu Frauen fällt mir nichts ein. Aber es ist Frauentag, und solange eine solche Institution existiert, muss wohl etwas faul sein im Staate D. Es wäre ja auch einiges zu sagen über Frauen im Staate D, doch dann müsste man auch etwas über Männer sagen. Das wollen wir heute jedoch Kurt Scheel überlassen, der, von einer Dame einmal angesprochen auf die erschlagende Zahl von Beiträgerinnen (0) in seiner Zeitschrift Merkur, das Bonmot parat hatte: Männer sind doch auch nur Menschen.
Als „Tierchen“ sei sie auf die Welt gekommen, behaart und geschlechtslos, schrieb die kluge Marguerite Yourcenar. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt – 1903 – und ihr Vater, ein adliger Libertin, sollte ihr später Unterricht erteilen. Das brachte zwei entscheidende Vorteile mit sich: Marguerite hat nie eine Schule von innen gesehen, und sie (die später Frauen liebte) konnte sich ihr Leben lang phantastisch in Männer hineinversetzen, und da sie nicht eben zur Bescheidenheit neigte, nahm sie sich für ihr Talent gleich einen römischen Kaiser vor, Hadrian, über den sie ihr berühmtestes Buch schrieb, Ich zähmte die Wölfin, und da es von der Liebe des Kaisers zu einem schönen Knaben handelt, war Thomas Mann (der Männer liebte, aber nur heimlich) ehrlich begeistert von diesem Werk.
Der Literaturwissenschaftler Hans Mayer hat in seinem legendären Buch Außenseiter – von 1975 – auch Frauen behandelt, wobei es ihm vor allem um die historischen und literarischen Phantasien über Frauen ging, Jeanne d’Arc, Hedda Gabler, Lulu… Dass der homosexuelle Mann – auch er „Außenseiter“ – selbst gern feminisiert wird, und zwar niemals in guter Absicht, bestätigte sich dieser Tage: Die Stasi hat Hans Mayer in der DDR pingelig observiert, wie ein gerade erschienenes Buch über den „Fall Mayer“ belegt; so haben die Herren etwa herausgefunden, wie der ehrwürdige Literaturprofessor in Stricherkreisen genannt wurde: „Die Mayersche“.
Die Yourcenarsche wurde ihrerseits in die Académie française gewählt. Als erste Frau. Oder als Tierchen?
Ina Hartwig